Ab dem 30. April soll das Spielen im Sandkasten wieder möglich sein.
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BerlinDer Rat der Bürgermeister hat sich auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt: Ab 30. April wollen die Bezirke ihre Spielplätze wieder öffnen. „Das ist jetzt ein mutiger Schritt, den wir sehr abwägend diskutiert haben“, sagte Michael Grunst (Linke), Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, der Berliner Zeitung. Allen sei bewusst, dass der Druck auf die Familien unglaublich hoch sei: „Es ist ein gutes Signal, die Spielplätze zum langen Maiwochenende zu öffnen“, sagte Grunst. Er sieht nun „sehr große Verantwortung“ bei den Eltern: „An sie ergeht jetzt der Appell, auf die Einhaltung der Abstandsregeln zu achten.“

Die Furcht unter den Bezirksbürgermeistern, dass sich die Öffnung der Spielplätze als Fehler erweisen könnte, ist groß. Helmut Kleebank (SPD), Bezirksbürgermeister von Spandau und Sprecher für den Bürgermeisterrat, warnte: „Sollten die Infektionszahlen wieder steigen, können die Spielplätze jederzeit wieder geschlossen werden.“ Alle müssten durch ihr eigenes Verhalten zur Eindämmung der Corona-Infektion beitragen. Die Ordnungsämter sollen zwar stichprobenartig kontrollieren, dass die Spielplätze nicht zu voll werden, flächendeckend sei das aber nicht möglich. „Personenansammlungen – auch der erwachsenen Begleitpersonen oder von Jugendlichen – sind weiterhin untersagt“, sagte Kleebank.

Ob die Bezirke alle Spielplätze gleichzeitig öffnen werden, ist noch unklar und könnte von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich gehandhabt werden – auch, weil nach einem Monat Schließung eigentlich jeder einzelne Spielplatz auf die Sicherheit der Spielgeräte und Sauberkeit kontrolliert werden muss. In der kommenden Woche soll es dazu weitere Abstimmungsrunden der Straßen- und Grünflächenämter und der Gesundheitsämter geben.

Pankow hat bereits angekündigt, seine 220 Spielplätze nur etappenweise und nach entsprechender Kontrolle wieder öffnen zu wollen. „Wir haben in unserem Bezirk recht viele Spielplätze, manche von ihnen in einem schlechten Zustand“, sagte ein Sprecher der Berliner Zeitung. Für die Öffnung sei ein „Ampelsystem“ geplant. Auch Steglitz-Zehlendorf werde wegen der nötigen Kontrollen am 30. April nicht gleich alle Spielplätze wieder öffnen können, sagte Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter Kotowski (CDU) der Berliner Zeitung.

Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) bedankte sich am Donnerstag bei den Bezirken: „Für die Kinder in Berlin ist das eine gute Nachricht.“ Die Senatorin war von mehreren Bezirksbürgermeistern kritisiert worden, weil sie am Mittwoch die Öffnung der Spielplätze gefordert und damit den Druck auf die Bezirke erhöht hatte. Scheeres verwies auf die Bedürfnisse von Kitas und Kinderläden ohne eigene Außenanlagen und sagte: „Auch Familien, die mit Kindern in der dicht bebauten Innenstadt leben, sind auf Spielplätze angewiesen.“

Der Spandauer Bezirksstadtrat Frank Bewig (CDU) hatte der Landesregierung daraufhin vorgeworfen, sich aus der Verantwortung zu stehlen: „Ich bin doch sehr verwundert darüber, dass der Senat nicht von sich aus versucht, im Sinne des Infektionsschutzes auch unpopuläre Maßnahmen zu treffen und die Spielplätze weiter geschlossen hält.“ Auch der Lichtenberger Bezirksbürgermeister Michael Grunst sagte der Berliner Zeitung: „Dass Frau Giffey und Frau Scheeres uns medial Ratschläge erteilen, hat mich geärgert. Das lässt wenig Luft für Abwägungsentscheidungen.“ Die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte am Mittwoch ebenfalls gesagt, eine „kategorische Schließung“ von Spielplätzen fände sie „nicht mehr richtig“.

Corinna Balkow vom Berliner Landeselternausschuss Kita sagte: „Wir freuen uns extrem, dass die Spielplätze wieder öffnen sollen. Kinder müssen einfach raus und sich bewegen.“ Der Berliner Elternschaft sei zuzutrauen, dass sie mit der Verantwortung umgehen könnte; man hoffe deshalb, dass es keine strengeren Regelungen brauche.

Scharfe Kritik an der Entscheidung zur Öffnung der Spielplätze kommt von der Opposition: Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, hält den Rückkehr der Kitas zum Regelbetrieb zur Entlastung der Eltern für zentral. „Hierfür ist eine verfrühte Spielplatzöffnung, auf denen weder Infektionsketten nachvollzogen noch Abstandsregelungen eingehalten werden können, kontraproduktiv“, sagte Czaja am Donnerstag.

Die Grünen halten die Spielplatzöffnung für richtig, mahnen aber zur Vorsicht: „Eltern kennen ihren Kiez am besten und müssen sehr viel Verantwortung übernehmen“, sagte die Fraktionsvorsitzende Silke Gebel der Berliner Zeitung. „Ich appelliere an alle, eher die Spielplätze aufzusuchen, von denen man weiß, dass sie nicht so stark frequentiert sind.“ Es sei bei allen Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen wichtig, dass die Gesundheitsämter mit an Bord seien, so Gebel am Donnerstag – für den Fall, dass die Infektionszahlen wieder ansteigen sollten. „Wir müssen es schaffen, zu unterscheiden, ob neue Fälle vom Spielplatz oder aus dem Einzelhandel kommen, damit wir die Lockerungen dann zielgerichtet wieder zurückfahren können“, sagte die Grüne.

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