Neue Arcade-Freizeitwelt eröffnet am Potsdamer Platz

In den umgebauten Arkaden, die nun „The Playce“ heißen, ziehen immer mehr Mieter ein. Der neueste will zum Spielen animieren. Wir haben das „Gamestate“ getestet.

Ein Gruß ans kulturelle Erbe: Der Arcade-Klassiker „Pac Man“ auf großem Bildschirm.
Ein Gruß ans kulturelle Erbe: Der Arcade-Klassiker „Pac Man“ auf großem Bildschirm.BLZ

„The Playce“ heißt die Neuauflage der Potsdamer-Platz-Arkaden, die seit 2020 generalüberholt werden. In dem Namen hat sich nicht etwa ein Rechtschreibfehler eingeschlichen, er ist ein Wortspiel mit den englischen Begriffen place, Ort, und play, spielen. Ein Spielplatz also, oder eine „Vergnügungsfläche“, wie Karl Wambach vom Unternehmen Brookfield Properties, das das Projekt verwaltet, es bei der Pressekonferenz im August nannte.

Nachdem Besucher anlässlich der Art Week ab dem 15. September für die Kunstausstellung „Art Extravaganza“ schon einen Blick in die noch unfertigen Arkaden werfen konnten, hat nun am vergangenen Donnerstag ein Mieter sein Geschäft eröffnet, der das „play“ in den „Playce“ bringt.

Über 70 Spiele

Durch den Eingang in der Alten Potsdamer Straße führt eine Treppe in das bunte Paralleluniversum im ersten Stock. Schlagartig fühlt man sich nach Japan versetzt, dem Mekka für blinkende, lärmende Spielhallen, in der Jugendliche und Touristen gern die Nächte durchzocken. In der neuen Berliner Filiale der niederländischen Kette „Gamestate“ können sich Besucher auf über 1000 Quadratmetern an sogenannten Arcade-Spielen versuchen, wobei die Bezeichnung etwas missverständlich ist, denn klassische Arcade-Automaten, an denen man früher „Space Invaders“ oder „Donkey Kong“ gespielt hat, gibt es hier nur vereinzelt in moderner Aufbereitung. In Reminiszenz an das kulturelle Erbe lassen sich aber immerhin mit dem hungrigen Pixelkreis „Pac Man“ auf großem Screen Punkte, Obst und Geister fressen.

Die ersten Besucher bei der „Gamestate“-Eröffnung.
Die ersten Besucher bei der „Gamestate“-Eröffnung.Gamestate

Über 70 Spiele hat das „Gamestate“ insgesamt im Angebot, aus unterschiedlichen Genres. Eine große „Twister“-Station lädt zum körperlichen Verbiegen ein, man kann mit Basketbällen „Vier gewinnt“ spielen, auf originalgroßen Motorrädern gegeneinander Rennen fahren, tanzen, surfen, mit Pömpel-Pistolen auf kreischende Hasen schießen, Äxte werfen und Nilpferde reiten. Es gibt Airhockey, alle möglichen Jahrmarkt-Spielchen und ein Virtual-Reality-Spiel mit Donkey Kong. Bei der vielleicht beknacktesten, aber auch spaßigsten Attraktion betritt man eine kleine Plastikkammer, von deren Decke sogleich bunte Plastikbälle regnen, die man so schnell wie möglich in einen Mülleimer stopfen muss.

Kein Entkommen vor den Preisen

Die Spiele kosten im „Gamestate“ durchschnittlich einen Euro, dauern aber oft auch keine Minute und bereiten zudem große Freude, was in der Kombination dazu verführt, hier in kurzer Zeit viel Geld auszugeben. „Winners Only“ lautet der Slogan und seine Erfinder machen ernst: Für jeden Wettkampf werden Spieler mit kleinen Papiertickets belohnt, die in meterlangen Schlangen aus den Automaten gespuckt werden. Davon hat man schnell Massen angehäuft, die man dann mit beiden Armen zu einem anderen Automaten schleppen und von diesem wieder einsaugen lassen muss. Die Autorin hatte nach einer entspannten Spielstunde über 2000 Tickets gesammelt und damit an der Preistheke die Wahl zwischen verschiedenen Kuscheltierchen, Reisespielen und diversem Plastikkram. Wer etwa einen Entsafter oder einen Hochdruckreiniger mit nach Hause tragen möchte, muss ungefähr das Zehnfache erspielen.

Hier können erspielte Tickets gegen Preise eingetauscht werden.
Hier können erspielte Tickets gegen Preise eingetauscht werden.BLZ

„Uns ist wichtig, dass jeder, egal ob man gut oder schlecht spielt, immer gewinnt und mit einem Geschenk von uns nach Hause geht“, erklärt Roel Veltmeijer, CEO der Veltmeijer Group, dem niederländischen Familienunternehmen, das „Gamestate“ gegründet hat und Arcade-Zentren in mehreren europäischen Ländern betreibt. Auf die Frage nach der Nachhaltigkeit, die wichtiger Bestandteil des angestrebten Image von „The Playce“ ist, antwortet Veltmeijer: „Die Tickets sind aus recyceltem Papier hergestellt und werden wiederverwertet. Gäste können sich aber auch für digitale Tickets entscheiden und tatsächlich bemerken wir, dass viele diese Option bevorzugen.“

Was es im „Gamestate“ zu gewinnen gibt, würden sich die meisten Menschen freiwillig wahrscheinlich niemals kaufen, außer vielleicht den ferngesteuerten Haifisch für die Badewanne. Doch für Ehrgeizige hat das Konzept natürlich seinen Reiz. Dass unter 18-Jährige nur in Begleitung eines Erwachsenen ins „Gamestate“ dürfen, erscheint auch deshalb durchaus sinnvoll. Roel Veltmeijer rechnet mit 150.000 bis 200.000 Besuchern pro Jahr, die Hauptzielgruppe sind 18- bis 30-Jährige.

Jüngere Besucher will im „The Playce“ demnächst die Firma Mattel erreichen, mit einem großen Flagship-Store namens „Mission: Play!“, wo aktuell auf 4000 Quadratmetern unter anderem begehbare Welten zu firmeneigenen Marken wie Barbie, Hot Wheels und Mega Bloks errichtet werden.

Insgesamt sollen in den neuen Arkaden 90 Ladengeschäfte sowie ein großer Gastronomie-Bereich eröffnen. Wann der Umbau genau fertiggestellt sein wird, ist noch nicht bekannt.