Daniel Eich ist der Spitzenvater des Jahres. Herzlichen Glückwunsch. Er ist der Ehemann der deutschen Astronautin Insa Thiele-Eich. Die Meteorologin hatte sich bei einem bundesweiten Casting durchgesetzt und wird als erste deutsche Astronautin nächstes Jahr zu ihrem Einsatz in der Raumstation ISS starten. Ihr Mann Daniel nimmt dann ein Jahr Elternzeit, um sich um das dritte gemeinsame Kind zu kümmern. Dafür erhält er die Auszeichnung zum "Spitzenvater", die von der Großbäckerei Mestemacher – bereits zum 14. Mal – vergeben wird mit 5000 Euro dotiert ist.

Nur ein Drittel der Väter nimmt Elternzeit

Das Unternehmen will damit die „Männeremanzipation“ fördern. Es sei schließlich leider noch kein gelebter Alltag, dass Männer in Elternzeit gingen, sagte die Unternehmerin und Iniatorin des Preises Ulrike Detmers dem Handelsblatt.

Ehrenwert, keine Frage.  Immer noch beteiligen sich zu wenige Männer an der Familienarbeit. Auch das ist richtig.  Nur etwa ein Drittel der Väter in Deutschland nimmt überhaupt das Recht auf Elternzeit wahr. Man könnte jedoch auch sagen: Immerhin ein Drittel der Väter tut es, häufiger und länger übrigens in Ostdeutschland. In der Unistadt Jena beanspruchen knapp sechzig Prozent der Väter Elternzeit. Das ist zwar fast doppelt so häufig wie im Bundesschnitt, zeigt aber auch: Um Einzelfälle handelt es sich auch nicht mehr. Muss Mann also für ein Jahr Elternzeit gleich Spitzenvater des Jahres werden? 

Zahlreiche Menschen in den sozialen Netzwerken finden den Preis übertrieben bis sexistisch. Sie kritisieren, dass man mit der Auszeichnung die Leistung der Astronautin herabwürdige - als könne sie ohne den Rückhalt ihres Mannes ihren Job nicht ausführen. Und sie ärgern sich darüber, dass mit der Auszeichnung ein Mann für etwas gewürdigt wird, das für Mütter als selbstverständlich gilt. 

Wo bleiben Preise für Spitzenmütter?

Astronautin sie, Produktentwickler für Finanzdaten und Analytik er.  Da gibt es sicher Familien in prekäreren Verhältnissen, die heldenhaft die Familienarbeit organisieren. Gibt es eigentlich auch einen Preis für die Supermutter des Jahres? Oder die Kategorie alleinerziehende Supermutter des Jahres? Da wäre die Auswahl sicher deutlich größer. 

Für die füllt aber niemand den umfangreichen Fragebogen aus, der die Grundlage für die Preisvergabe ist. Den muss derjenige bestücken, der einen Spitzenvater vorschlagen will.

Mal abgesehen davon, dass man sehr intime Kenntnisse über Art und Umfang der geteilten Hausarbeit des betroffenen Paares kennen  und angeben soll, soll  man auch die „wichtigsten Merkmale des Frauenbildes“ des vorgeschlagenen Vaters abgeben. Oder welche außerfamiliäre Unterstützung  das Paar etwa durch Aupair oder Arbeitgeber bekommt. Ob das die Betroffenen wollen ist ebenso unklar, wie wie dann die Entscheidung fällt. Solche Preise sind ja aber auch immer gute Imagewerbung für den Preisstifter.

Mein persönlicher Supervater ist übrigens ein guter Freund, der seine Karriere als Ingenieur  und den elterlichen Betrieb drangegeben hat, um seiner Frau ihren Beruf, der sie damals ins Ausland führte, zu ermöglichen.