in langer und anstrengender Tag geht zu Ende, draußen ist gefühlt Herbst statt Frühling, und im Kino ist der neue Film aus dem Hause Marvel (gehört zu  Disney)  angelaufen. Juchu, ab ins Kino! Schnitt, drei Stunden später: Mit gemischten Gefühlen  weiß ich jetzt, wozu die Erfinder von Micky Maus und Donald Duck fähig sein können, wenn man sie nur lässt. Und ich bin froh, kein Kind mit ins Kino genommen zu haben.

„Logan“, so der Name des neuen  und zugleich letzten Teils der Wolverine-Trilogie, in der Hugh Jackman in die Superhelden-Rolle  des Wolfsmenschen schlüpft, ist ein guter, ein sehr guter Film, klar. Vor allem ist er aber eines: unfassbar brutal. Bei Splatterfilmen (der Name sagt es schon) gehören hektoliterweise spritzendes Blut und umherfliegende Gedärme einfach dazu, sonst würde das ganze Genre keinen Sinn ergeben. Ein (Anti)-Kriegsfilm kommt aus naheliegenden Gründen auch selten ohne Leichen, Tod und Zerstörung aus. 

Bei Marvel sterben sie zwar auch, aber  selten brutal und erst recht  nicht in Massen. Und genau hier liegt der Unterschied zum neuen Wolverine-Abenteuer: Der  Film braucht die ultra-brutale Gewalt eigentlich nicht. Sie wird nur um der Gewalt willen gezeigt.  In einer Szene tötet   Superheld Jackman sechs bewegungsunfähige  und in einer Art Zeitloch  erstarrte Männer.

 Jedem einzelnen  rammt er   seine Metall-Krallen  in Zeitlupe ins Gesicht. Mal von vorne, mal von unten, mal von der Seite. Und jedes Mal kommen die  glänzenden Wolfs-Waffen blutverschmiert und voller zerfetzter  Gewebe- und Hirnstückchen auf der anderen Kopfseite wieder heraus.  An dieser Stelle verging es  sogar mehreren  als Gangsta-Rapper verkleideten Jugendlichen in der Sitzreihe vor mir. Vorherige Schlachter-Szenen hatten die vier Jungs noch  betont lautstark und lässig mit „Krrrraaaass, Alter! Wie geil er kämpft, die Sau!“ kommentiert. Jetzt, bei der Zeitlupen-Schlitzerei,  hörte ich plötzlich ein völlig uncooles (und deutlich leiseres):  „Alter ey, find’ isch zu krass jetzt, was soll die Scheiße ... muss nisch sein, so heftig...“

 In den USA, einem Land, in dem mit Gewaltdarstellung normalerweise sehr viel lockerer umgegangen wird,  warnt ein  Kino  auf einem Plakat Eltern bereits vor dem Film. Es handele sich bei „Logan“ nicht um Popcorn-Kino oder gar einen bunten Superhelden-Blockbuster. Und die Kinobetreiber raten davon ab, den Film mit Kindern anzusehen. Hierzulande ist der Jackman-Splatter ab 16 Jahren freigegeben.

16 Jahre – das ist in etwa die Zeit, die  ich bereits als Polizeireporter arbeite und  über Mord und Totschlag berichte. Ich habe seitdem viele Leichen und viel Blut gesehen. Daran habe ich mich gewöhnt. Und dann kam Logan.