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Lust auf Sport wollen wir Ihnen in den nächsten Wochen machen. Wir besuchen Spitzenathleten und Freizeitsportler beim Training und stellen Sportarten vor. Heute geht es um Badminton.
„Ohne Hans geht hier gar nichts.“ Diesen Satz haben sie in der Trainingshalle des Deutschen Badmintonmeisters SG Empor Brandenburger Tor (EBT) alle auf Lager. Warum das so ist, wird sofort klar, wenn man den Fuß in die hell erleuchtete Halle in der Friedrichshainer Samariterstraße setzt. Hans Abraham ist allgegenwärtig, er hat Tipps für jeden parat, kehrt den Hallenboden und wacht über die Badmintonbälle. Die gehen nämlich ständig kaputt, dann gibt Hans neue aus. Und ermahnt die Spieler sorgsamer damit unzugehen.

Abraham ist nicht der Hausmeister. Der heute 73-Jährige war einer der ersten Badminton-Profis in der DDR. Von 1959 bis 1971 trat er bei den Meisterschaften an, wurde 1961 DDR-Meister zusammen mit Rita Gerschner im Mixed. Der Sport hat ihn auch nach dem Ende seiner Karriere nicht losgelassen. Bis heute trainiert er Kinder und Jugendliche. Die Karrieren mancher Sportler, die später in der Ersten oder Zweiten Bundesliga gespielt haben oder noch spielen, hat er maßgeblich beeinflusst.

Tempo und Zusammenhalt

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Wenn man Spieler wie Abraham oder auch die jüngeren Aktiven fragt, was sie an ihrem Sport fasziniert, dann hört man vor allem zwei Dinge: Das Tempo des Spiels und der Zusammenhalt im Team. „Du kämpfst auf dem Platz bis an Deine Grenzen, aber Du respektierst immer Deinen Gegner“, sagt Tim Dettmann. Der 29-Jährige ist in der ersten Mannschaft bei EBT, die im vergangenen Jahr Deutscher Meister wurde.
Der Zusammenhalt im Verein wird oft betont und auch an diesem Abend in der Halle deutlich: Freizeitsportler und Profis trainieren in der gleichen Halle. An diesem Mittwochabend wuseln 15 Kinder zwischen sechs und 15 Jahren durch die Halle, dazu einige Ältere zwischen 50 und 65 Jahren. Um 19.30 Uhr gehen die Kinder nach Hause. Jetzt kommen die „Großen“.

Acht Athleten aus der Zweitliga- und der Oberligamannschaft haben heute Training. Die Spieler aus der Bundesligamannschaft sind an diesem Abend nicht dabei. Sie kommen nur zu manchen Wettkämpfen angereist – immer dann, wenn es gegen Topgegner geht. Die restliche Zeit reisen die Sportler zu Weltcups oder trainieren in ihren nationalen Leistungszentren. Das ist bei den Spitzenmannschaften der Badminton-Bundesliga so üblich.

Badminton ist in Deutschland eine Randsportart. Von den Nachwuchsspielern schaffen nur wenige den Sprung in die Weltspitze. Um erfolgreich zu sein, müssen die Vereine internationale Athleten verpflichten oder die deutschen Topsportler aus anderen Vereinen loseisen. Bei EBT stehen derzeit ein Vize-Weltmeister aus Malaysia, ein Europameister aus Dänemark und die Dritte der letzten Weltmeisterschaft, Juliane Schenk aus Deutschland, unter Vertrag.