Berlin - Im Jahr 2014 schossen die hochfliegenden Pläne in den Himmel. Mehr als 450 Millionen Euro wollte die „Moritz Gruppe“ in das Areal des alten Sporthotels und Kongresszentrums im Sportforum Hohenschönhausen investieren, ihr Projekt „The:Square3“ war für mehrere Architekturpreise nominiert. Doch der Traum platzte, erst einmal.

Nun wird ein neuer Anlauf genommen, den Ende der 1970er errichteten einstigen DDR-Vorzeigebau zu neuem Leben zu erwecken. Die „Immonen Group“ versucht ihr Glück, wie schon ihre Vorgänger mit der Planung einer Hochhausbebauung. Das zentrale Gebäude soll ein 86 Meter hohes Bürohaus werden, das von einem kleineren Wohnhochhaus mit 54 Metern flankiert wird. Die weiteren Gebäude sollen den Höhen der umliegenden Bauten (unter 20 Metern) entsprechen.

392 Wohnungen für 784 Berliner

Der ganze Komplex soll mit Tiefgaragen untersetzt sein, eine Kita ist geplant, insgesamt 392 Wohnungen für 784 Berliner sollen entstehen. Aber, und das ist bereits aus dem Bezirksamt zu hören, müssten 25 Prozent der Wohnungen nach dem Berliner Modell errichtet werden – und im sozialverträglichen Mietsegment angeboten werden. Mit der gespenstigen Atmosphäre wäre es entlang der Konrad-Wolf-Straße endlich vorbei.

Aber: Ob die „Immonen Group“ dies wirtschaftlich realisieren kann, bleibt abzuwarten. Die Planungen sollen sich noch im Anfangsstadium befinden, die zuständige Lichtenberger Baubehörde erwartet umfangreiche Auskünfte. Auf Anfrage der Berliner Zeitung antwortete das Unternehmen nicht.

Viele Detailfragen

Birgit Monteiro (SPD), die Stadträtin für Stadtentwicklung, ist dennoch optimistisch. „Die Vorstellungen des Investors zeigen, dass endlich wieder Bewegung im Verfahren ist. In den kommenden Monaten wird unser Stadtplanungsamt die Pläne im Rahmen des laufenden Bebauungsplanverfahrens prüfen. Hier sind noch viele Detailfragen zu klären“, so die SPD-Politikerin gegenüber dieser Zeitung. Sie jedenfalls öffnet den Investoren (deren Büro sich in Hohenschönhausen befindet) eine Tür: „Alle Beteiligten sind bemüht, ohne weitere Verzögerungen zu einem Ergebnis zu kommen, damit dieser prominente Standort aufgewertet wird.“

Dafür bedarf es Einigkeit bei allen Akteuren. „The:Square3“ etwa konnte trotz fortgeschrittener Planungen nicht auf dem Lichtenberger Filetgrundstück realisiert werden, da es interne Unstimmigkeiten zwischen Projektentwickler und Grundstückseigentümer gab. Offiziell klingt das so: „Die verschiedenen Vorstellungen konnten letztlich nicht zusammengebracht werden“, so ein Beteiligter.

Nachts kommen Obdachlose

Für das Alltagsleben in Alt-Hohenschönhausen spielen die Streitigkeiten keine Rolle. Der Kiez muss mit den Folgen leben. Denn Sporthotel und Kongresszentrum verrotten zusehends. Betrunkene Obdachlose ziehen sich nachts in die dunklen Räume zurück, Jugendliche feiern ausschweifende Partys und randalieren, auch brennt es immer wieder. Erst Ende April rückte die Feuerwehr an. „Seit sieben Jahren schaue ich auf diesen Schandfleck“, bemängelt etwa Olga Kowalewskij, „ich hatte so große Hoffnungen in eine Neu-Bebauung. Mittlerweile glaube ich nicht, dass sich in den kommenden Jahren hier etwas ändert.“ Die 48-jährige Kowalewskij arbeitet in „Evas Spätkauf“ gegenüber der DDR-Ruine – und könnte, so bitter das für den Kiez wäre, mit ihrer Skepsis recht behalten.