Berlin - Immer mehr Kinder aus Rumänien, Bulgarien oder Ex-Jugoslawien werden an Berliner Schulen angemeldet. Meist sind es Kinder aus Roma-Familien, die fast ohne Deutschkenntnisse eine Bildungseinrichtung besuchen sollen, an der die Unterrichtssprache Deutsch ist. Schon 1400 solcher Kinder und Jugendlichen zählte die Bildungsverwaltung allein in den vergangenen Monaten.

Bei einem Besuch der Neuköllner Hans-Fallada-Schule, an der bereits jedes fünfte Kind aus Roma-Familien stammt, versprach Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nun mehr Hilfe. „Wir brauchen ein zusätzliches Angebot genau für diesen Bereich, hier sind Sprach- und Kulturmittler nötig“, sagte Scheeres am Dienstag. Viele Roma-Familien täten sich sehr schwer, sich in Berlin zurechtzufinden. „Ich kenne Schulleiterinnen, die haben Eltern schon Wegskizzen zum nächsten Gesundheitsdienst und zu anderen Ämtern gezeichnet.“ Scheeres geht damit auf eine Forderung des Rates der Bezirksbürgermeister an, der zuvor einen Roma-Hilfsfonds gefordert hatte.

Schnelle Fortschritte

In Neukölln sind bereits an vier Grundschulen jeweils zwei Kleinklassen eingerichtet worden, um speziell auf diese kaum Deutsch sprechende Schülerklientel einzugehen. Als besonders günstig erwies sich die Einrichtung einer Kleinklasse für Schulanfänger an der Fallada-Schule. Dort im Klassenzimmer trifft man auf neugierige Roma-Kinder, die fast alle in einigen Häusern unweit der Schule wohnen. Die meisten Kinder stammen aus einem Dorf bei Bukarest, das laut Roma-Statusbericht des Bezirks „fast vollständig nach Berlin-Neukölln umgesiedelt ist“.

Gemeinsam mit der Klassenlehrerin unterrichtet dort auch die Rumänin Charlotte Sazbo, die aber keine in Deutschland ausgebildete Lehrerin ist und deshalb bisher nur befristete Verträge bekam und als „Lehrkraft ohne volle Lehrbefähigung“, wie es schulbürokratisch heißt, wesentlich weniger verdient. Dabei hat sie alle Hände voll zu tun: Sie übersetzt, macht Hausbesuche bei den Eltern, ermahnt diese, ihre Kinder regelmäßig zur Schule zu schicken. „Die Eltern der Kinder wissen zwar, dass Bildung wichtig ist, sie wissen aber nicht genau warum“, fasst es Charlotte Szabo zusammen. Konrektorin Rita Heiming berichtet, dass viele Kinder zunächst gar nicht recht wussten, wie sie Stift oder Schere halten sollten. Beim Deutschlernen hätten sie dann aber schnell Fortschritte gemacht. Charlotte Szabo und andere befristete Hilfen können nach der Ankündigung der Senatorin nun damit rechnen, dauerhaft beschäftigt zu werden, letztlich würde ein neues Berufsbild an Schulen geschaffen.

Mitte besonders gefordert

Die meisten Kinder ganz ohne Deutschkenntnisse an Schulen gibt es übrigens laut Scheeres derzeit in Mitte (320), Tempelhof-Schöneberg (243) und Neukölln (180).

An der Fallada-Schule ist Schulleiter Carsten Paeprer davon überzeugt, dass gerade die Jahrgangsmischung in den ersten drei Klassen gut ist, um auch Roma-Kinder weiter zu fördern. Die Schule vereint eine Grundschule und ein Förderzentrum für sprachbehinderte Kinder. Zur Freude des Schulleiters sprach sich die Senatorin dafür aus, dass auch an solchen Förderzentren der gebundene Ganztagsbetrieb eingeführt werden sollte, an dem sich Unterricht und Freizeitangebote abwechseln. Das würde aber mehr Geld kosten. Scheeres dachte zudem laut darüber nach, den Förderbedarf von Schülern bereits wieder in der Kita feststellen zu lassen.