Das Kinderkrankenhaus Weißensee: Nur noch eine Ruine mit dem Charme des Kaputten.
Foto: Henseke

Weißensee -Ein einst imposantes Bauwerk, dessen stetiger Verfall vor Augen führt, was in der Stadtplanung der Hauptstadt seit der Wende so alles schief gelaufen ist. 1997 geschlossen, weil der Senat eine rückläufige Einwohnerzahl prognostizierte. 2006 an einen russischen Investor verscherbelt, der nie investierte, 2018 an Berlin rückübertragen.

Schaut man über den Zaun in der Hansastraße 178/180, sieht man, was mehr als 20 Jahre Nichtstun und mehrere Großbrände aus dem 1911 eröffneten Gebäudeensemble gemacht haben. Eine Ruine, die immer mehr zuwuchert. Angeblich ist aber nicht alles verloren.

Auf eine kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Dennis Buchner antwortete die Senatsverwaltung für Finanzen Ende 2018 im verschwurbelten Amtsdeutsch, dass das prägnante Haupthaus, der Hörsaal und das Bettenhaus „nicht vollständig abgängig“ seien, dass verschiedene Bauteile wohl erhalten werden könnten.

Absturzgefahr: Böden sind durchgebrochen, es regnet rein.
Foto: Henseke

Ist die alte Klinik wirklich noch zu heilen? Anfang 2019: Davon machen sich  Dutzende Schaulustige aus der ganzen Welt jeden Tag selbst ein Bild, angelockt von „Lost Places“-Seiten im Internet. Gesichert ist auf dem 28.000 Quadratmeter großen Gelände gar nichts, Durchbrüche im Zaun laden geradezu zum Betreten ein. Nach Rückübertragung des Areals an die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) ist das Gelände inzwischen besser gesichert - aber noch immer tauchen regelmäßig neue Fotos aus dem Inneren auf einschlägigen Online-Portalen auf. 

Durch das Dickicht des Grundstücks sind Trampelpfade getreten, Türen stehen offen, alle Fenster sind zerborsten. Streetart-Künstler haben die brüchigen Mauern als Leinwand für sich entdeckt. Tobo, einer der bekanntesten Sprayer Berlins, war hier, auch liz_art_berlin hat sich mit ihren Katzenfrauen verewigt.

Und so wurde aus dem Gelände ein Touristenmagnet. Ein nicht ungefährlicher. Betritt man das Haupthaus, ahnt man, was die Senatsverwaltung für Finanzen wohl mit dem Wort „abgängig“ meint. Fußböden im ersten und zweiten Stock sind teilweise eingestürzt, überall liegen Trümmer, das Dach steht offen. Über inzwischen freischwebende Treppen klettern Wagemutige bis unters Dach, das nach drei schweren Bränden im Jahr 2013 nur noch eine verkokelte Trümmerlandschaft ist. Vor vier Jahren erst stürzte ein amerikanischer Hobbyfotograf durch eine Decke in die Tiefe und landete mit mehreren Knochenbrüchen in der – echten – Klinik.

Auch die alten Garagen der Kinderklinik wurden zum Tummelplatz für Graffitisprayer.
Foto: Henseke

Ähnlich desolat ist der Zustand der übrigen Gebäude auf dem Gelände, im alten Hörsaal und im Bettenhaus. Löcher in den Decken, durch Dächer und Fenster dringt überall Wasser ein, es modert. Wer sich genauer umschaut, kann die Hoffnung auf die Erhaltung, von der die Senatsverwaltung für Finanzen schreibt, nicht verstehen.

Auch der SPD-Politiker Dennis Buchner sagt: „Viele aus meinem SPD-Ortsverein, die in der Nachbarschaft wohnen, teilen die Einschätzung, dass da nicht mehr viel zu retten ist.“ Der Abgeordnete sagt aber auch: „Es muss und wird hier schnell etwas passieren. Denn es gibt eine Konkurrenz der Interessen.“ Einerseits wäre die Adresse ein möglicher Schul- und Kita-Standort, andererseits benötige der Bezirk Grundstücke für den Wohnungsbau.