In dem pyramidenförmigen Berg schlummert ein Giftcocktail aus DDR-Zeiten. Doch das, was am Mittwoch von der einstigen Halde des Volkseigenen Betriebs Kali-Chemie aus zu sehen war, war erfreulich. „Das geht ja schneller voran als ich dachte“, sagte Arne Huhn, Ingenieur bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Die Straße wird später fertig, als vorgesehen

Im Norden von Niederschöneweide gerieten rund 2400 Tonnen Stahl in Bewegung. Der zweite Überbau der jüngsten Berliner Spreebrücke wurde auf einem Ponton über den Fluss gezogen und geschoben. Doch so rasch diese Etappe voranging: Die Straße wird später fertig als anfangs vorgesehen.

Ursprünglich sollte die Verbindung zwischen der Köpenicker Landstraße und der Rummelsburger Straße in diesem Jahr freigegeben werden. Doch dann kam es 2015 zu einem Unglück, das den Zeitplan über den Haufen warf. Am 30. August stürzte auf der Baustelle ein Querträger in die Tiefe. „Er wog sechs Tonnen. Zum Glück wurde niemand verletzt“, sagte Lutz Adam, der in der Senatsverwaltung die Abteilung Tiefbau leitet. Der Bau musste allerdings erst einmal unterbrochen werden, und die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Zwar wurden sie inzwischen wieder eingestellt, der Eröffnungstermin 2016 wurde aber gestrichen.

Entlastung für Schöneweide

Am Mittwoch gab Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler den aktuellen Zeitplan bekannt. Danach soll die neue Straße im Südosten Berlins, die exakt 1246 Meter und 70 Zentimeter lang ist, Ende des kommenden Jahres eröffnet werden.

„Wir prüfen aber, ob eine Teilfreigabe im Frühjahr 2017 möglich wäre“, teilte der SPD-Politiker mit. Angestrebt werde, den Verkehr auf einer Brückenhälfte vorzeitig aufzunehmen. Nach der Gesamtfreigabe wird es dann zwei Fahrstreifen pro Richtung geben – dazu auf jeder Seite einen Geh- und Radweg. 2017 soll auch die frühere Verkehrsführung auf der Köpenicker Landstraße wiederhergestellt werden, hieß es.

„Die neue Straße wird eine Lücke im Radroutennetz schließen“, kündigte Gaebler an. Am wichtigsten sei jedoch eine andere Funktion: Die Trasse soll die anderen Brückenverbindungen zwischen Ober- und Niederschöneweide entlasten.

Fährlinie wird eingestellt

„Damit deren Anwohner mehr Lebensqualität haben, wollen wir den Verkehr bündeln,“ so der Senatspolitiker. Allerdings werde rund um die neue Brücke, die rund 50 Millionen Euro kostet, nicht alles beim Alten bleiben. So wird die Behelfsbrücke, die seit den 1990er-Jahren neben der Stubenrauchbrücke die Spree überspannt, ersatzlos abgebaut. Klar ist auch, dass die BVG-Fährlinie F 11, die zwischen Baumschulenstraße und Wilhelmstrand über den Fluss führt, eingestellt wird.

Ein anderer Verkehrsweg in der Nähe ist schon seit Längerem stillgelegt: Ein Tunnel, durch den einst eine Strecke der Industriebahn Schöneweide verlief, wurde für die Straße bereits zur Hälfte verfüllt. Der Rest folgt.

Für den neuen Verkehrsweg wurden rund 100 Bäume gefällt und drei Dutzend Kleingärten gerodet. Weiteres Grün fällt weg, wenn die Straße entlang des Britzer Zweigkanals in Richtung Westen weitergebaut wird. Der zweite Abschnitt der Süd-Ost-Verbindung soll den Anschluss an die A113 herstellen. „Doch dafür haben noch nicht einmal die Planungen begonnen“, sagte Gaebler.