Spreepark-Initiative fordert Hälfte des Geländes für „Kunst, Kultur und Schnapsideen“

Der Plan steht fest, so schien es jedenfalls bisher. Auf dem derzeit noch geschlossenen Spreeparkgelände soll in den kommenden Jahren ein riesiger Kunst- und Kulturpark entstehen. So hat es der Senat erst kürzlich verkündet und für den Neustart auf dem Gelände des einstigen Vergnügungsparks an der Spree eine Summe von 48 Millionen Euro aus dem „Sondervermögen für die wachsende Stadt“ bereitgestellt. Von einem „Natur- und Kulturpark für alle“ und einem „Ort für Überraschungen“ sprach Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) kürzlich.

Doch nun protestieren ausgerechnet Künstler und Kulturgruppen der freien Szene gegen diese Pläne. Sie haben die Initiative „Offene Republik Spreepark“ gegründet und fordern die Hälfte des 23 Hektar großen Geländes für „Kunst, Kultur und Schnapsideen“. In einem Aufruf werfen sie dem Senat bei der bisherigen Planung des Geländes ein „undurchsichtiges und ausschließendes Verfahren“ vor. Sie kritisieren, der Spreepark werde zu einem „umzäunten und eintrittspflichtigen Disneyland“. Bis zur pompösen Eröffnung werde im „stillen Kämmerlein“ geplant.

„Gebt den Spreepark frei!“

Katalin Gennburg, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Abgeordnetenhaus, unterstützt die Initiative, zu der Clubbetreiber, Künstler, Anwohner-Initiativen, Stadtplaner und Alternativbetriebe gehören. „Die bisherige Planung wird der alternativen Kunstszene dieser Stadt nicht gerecht“, sagt sie. Niemand brauche eine zweite Internationale Gartenschau und eintrittsfinanzierte Attraktionen. Auf die schrittweise Eröffnung des Spreeparks ab dem Jahr 2021 will die Initiative jedenfalls nicht warten.

„Gebt den Spreepark frei!“ lautet ihr Aufruf. Darin steht: „Der Spreepark muss schon jetzt ein Ort für unabhängige Kulturprojekte und für unbequeme Kunst werden. Es gilt, eine der letzten Freiflächen der Stadt für das Schrille, das Schräge, das Nicht-Eingängige, das Berlin ausmacht, zu reklamieren. Wir wollen einen Platz der Kreativität und des Ausprobierens.“

Die Aktivisten planen am Sonnabend eine Floß-Demo auf der Spree. Mit Schlauchbooten und Flößen wollen sie den Spreepark „umzingeln“. In einer Mail, die derzeit unter den Beteiligten kursiert und der Berliner Zeitung vorliegt, ist die Rede davon, sich „Aneignungsstrategien“ zu überlegen. Man könne das Riesenrad mit Lametta behängen oder auch einen Bootsanleger bauen. „Wir zeigen miteinander, dass der Spreepark ein Ort des Umherschweifens ist und nicht des Spektakels“, heißt es in der Mail.

Riesenrad soll sich wieder drehen

Im Mai hatten der Senat und die landeseigene Grün Berlin GmbH nach jahrelanger Planung die neue Ausrichtung des Spreeparks vorgestellt. Klar war allen: Einen neuen Rummelplatz wird es dort nicht mehr geben, doch der morbide Charme des früheren Vergnügungsparks bleibt erhalten.

Das Riesenrad soll sich wieder drehen, die demolierten Dinosaurier werden restauriert. Alle übrig gebliebenen Fahrgeschäfte bleiben stehen. So wird aus der Achterbahn Spreeblitz ein Spazierweg, ebenso aus der Wildwasserbahn. Das Karussell mit seinen riesigen Teetassen dient als Sitzgelegenheit für ein Café. Im 360-Grad-Kino sollen alte Filme aus dem Kulturpark gezeigt werden. Auch das Eierhäuschen, einst Ausflugslokal, wird wiedereröffnen.

Künstler sollen auf dem Gelände Möglichkeiten zum Arbeiten und Ausstellen haben. „Berlin lebt von der Kultur“, hatte der Geschäftsführer von Grün Berlin, Christoph Schmidt, bei einem Rundgang mit der Berliner Zeitung im vergangenen Jahr noch gesagt. „Und das schrille Berlin braucht einen geschützten Ort.“

Davon sind die Aktivisten der Spreepark-Republik nicht überzeugt. „Die schrille Szene Berlins hat diesen Prozess nicht begleitet“, sagt Katalin Gennburg. Im Aufruf schreiben die Initiatoren, es brauche keinen umzäunten Vergnügungspark, der vermeintlich „das quirlige Berlin“ vermarke und dabei doch nur „eingeschlafene Füße“ produziere.

Kulturelle Nutzung noch unklar

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) unterstützt den Aufruf der Spreepark-Initiative. „In einer Stadt, in der Räume für Kunst und Kultur unter einem enormen Verwertungsdruck stehen, ist jede Initiative ein Gewinn, die sich der Schaffung von Räumen und Freiräumen für Kunstschaffende verschrieben hat“, sagte sein Sprecher Daniel Bartsch auf Anfrage der Berliner Zeitung.

Welche Möglichkeiten sich konkret böten, könne derzeit aber nicht gesagt werden, so Bartsch. Derzeit erarbeite Grün Berlin ein Realisierungskonzept, danach würden Kultur- und Umweltverwaltung die „kunst- und kulturspezifischen Aspekte“ abstimmen.

„Es geht um eine soziale, kulturell anspruchsvolle und genossenschaftliche Nutzung des Geländes“, sagt Linken-Abgeordnete Gennburg. „Und nicht um die nächste langweilige Eventbude für Tagestouristen.“