SPREMBERG - Die „Rote Flut“ sorgt seit einigen Jahren für Schlagzeilen. Dabei handelt es sich um rostige Eisenverbindungen, die aus ehemaligen Tagebauen in der Lausitz stammen und die das Wasser der Spree rostrot verfärben. Das stellt für Menschen zwar keine gesundheitliche Gefahr dar, ist aber ein ästhetisches Problem: Denn ein rostroter Spreewald wäre einfach keine Touristenattraktion mehr.

Lange Zeit war unklar, wie das Problem zu lösen ist, doch nun scheint es eine gewisse Abhilfe zu geben – und die wurde ausgerechnet bei einer Aktion gefunden, durch die noch mehr Probleme befürchtet wurden: die Sanierung der Mauer des Staudamms bei Spremberg (Spree-Neiße).

Mit Chemikalien und Kalk

Es ist der viertgrößte bundesdeutsche Stausee. Er wird aus der Spree gespeist, die aus Süden kommt – also aus Sachsen – und das rostrote Wasser in den Stausee spült. Im See wird es meist mächtig verdünnt, der Rost setzt sich am Boden ab, und auf der anderen Seite des Stausees fließt wieder halbwegs sauberes Wasser aus dem Damm heraus.

So war es vor der Sanierung. Doch für die fast eine Million Euro teuren Bauarbeiten musste das Wasser im Stausee gehörig abgesenkt werden. „Dadurch war die Verweildauer des roten Wassers im See deutlich kürzer“, sagt Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes. Es bestand die Gefahr, dass sich der Schlamm nicht am Boden absetzt und viel mehr rotes Wasser aus dem Stausee läuft und in den Spreewald gelangt.

Deshalb wurde ein neues Verfahren angewandt, das in dieser Größenordnung noch nicht getestet wurde. Bevor die Rote Spree den eigentlichen Stausee erreicht, durchfließt sie ein kleineres Becken – den sogenannten Vorfluter. Dort setzt sich Sediment ab, also Steine und Sand, aber nicht das Eisenocker, das viel zu klein ist, um sich in so kurzer Zeit in seinem so kleinen See abzusetzen. Also wurde ein sogenanntes Flockungsmittel ins Wasser gegeben – eine Chemikalie, die sich in Trinkwasseraufbereitungsanlagen bewährt hat und die dafür sorgt, dass sich der Rost zu größeren und schwereren Flocken verbindet und zu Boden sinken kann. „Das Ganze funktioniert nur, wenn das Wasser nicht zu sauer ist“, sagt Freude. „Und damit der PH-Wert stimmt, wurde auch noch gemahlener Kalk ins Wasser der Spree gegeben.“

Als die Anlage, deren Installation knapp 1,5 Millionen Euro kostete, lief und das Wasser im See genug abgesenkt war, begann die Sanierung. „Sie wurde nun, wie geplant, noch vor Weihnachten abgeschlossen“, sagt Freude. Das lag auch dran, dass es nicht wie sonst ein Sommerhochwasser gab und die Witterungsbedingungen auch sonst günstig waren und der November völlig frostfrei blieb.

Anlage wird weitergeführt

Und die Sache mit dem Flockungsmittel und dem Kalk funktionierte die gesamte Zeit. „Unsere Methode ist ein durchschlagender Erfolg“, sagt Freude. „Sogar besser, als erhofft.“ Rotes Wasser kam weder in Cottbus noch im Spreewald an. Die Methode ist sogar so erfolgreich, dass die Anlage nun, nach Vollendung der Sanierung, nicht wie geplant wieder abgebaut, sondern weitergeführt wird. „Das ist jetzt die Methode, die uns hilft, die Qualität des Spreewassers langfristig zu sichern und mit der auch noch sehr viel Geld gespart wird.“

Das Eisenocker setzt sich nun vor allem im „Vorfluter“ ab und nicht mehr im 9,33 Quadratkilometer großen Stausee. Das macht die Entsorgung einfacher: Normalerweise wird der Schlamm am Boden des Vorfluters alle zehn bis zwölf Jahre ausgebaggert. Das wäre eigentlich erst wieder in einigen Jahren fällig. Doch nun kam reichlich roter Schlamm dazu. „Deshalb müssen wir gleich im neuen Jahr den Vorfluter entschlammen“, sagt Freude.

Das kostet zusätzlich, ist aber überschaubar. „Den gesamten Boden des riesigen Stausees von Saugbaggern reinigen zu lassen, wäre ein unvergleichlich größerer Aufwand gewesen“, sagt Freude. Das hätte etliche Millionen Euro gekostet.

Doch ein Problem bleibt

Trotzdem gibt es noch immer einen ziemlich großen Wermutstropfen. Denn das rote Wasser ist das eine Problem – das für alle sichtbare, das vor allem dem Tourismus schadet. Aber da gibt es noch eine viel größere Schwierigkeit, die nicht zu sehen ist: Die Belastung der Spree mit Sulfaten, die ebenfalls aus Tagebauen stammen und durch Sickerwasser in die Spree gelangen. Die Schwefelverbindungen sind durchaus zerstörerisch für Betonbauten am Wasser, und sie wirken in zu hohen Konzentrationen beim Menschen abführend.

Berlin gewinnt einen Teil seines Trinkwassers aus den Uferbereichen der Spree. „Wir haben das Problem im Blick“, sagt Stephan Natz von den Berliner Wasserbetrieben. „Aber derzeit gibt es keine akuten Gefahren für das Berliner Trinkwasser.“ Bei Sulfaten liegt der Grenzwert bei 250 Milligramm pro Liter, im spreenahen Wasserwerk Friedrichshagen lag der Durchschnittswert im Vorjahr bei 150 Milligramm.