Spreewald-Grundschule in Berlin-Schöneberg: Der Wachschutz ist immer noch da

Als die Schöneberger Spreewald-Grundschule sich im vergangenen Jahr als erste Berliner Schule außerhalb Neuköllns einen Wachschutz zulegte, geriet die Einrichtung bundesweit in die Schlagzeilen. Die damalige Schulleiterin prangerte die Gewaltbereitschaft von Grundschülern an, kritisierte undisziplinierte Eltern und machte bauliche Missstände öffentlich, die Obdachlose geradezu einlud, abends das Schulareal zu nutzen. Seither versucht die Schule mit 98 Prozent Kindern nichtdeutscher Herkunft sich positiv zu verändern.

Im September hat Nana Salzmann die Schulleitung übernommen. „Wir sind hier inzwischen auf einem sehr guten Weg, alle sind miteinander im Gespräch“, sagt Salzmann, eine freundliche Frau, die zuvor die benachbarte Neumark-Grundschule leitete. Gerade haben sie unter dem Dach des Altbaus ein kleines Tonstudio eingerichtet, aus Mitteln des Bonusprogramms. Mehmet und Mohammed haben dort schon einen Rap aufgenommen. Die Schule arbeitet an einem neuen Motto und Konfliktlotsen sind als Streitschlichter im Einsatz. „Natürlich gibt es öfter mal Streit“, sagt Schülersprecherin Gizem aus der 6a. „Aber nicht so, dass Krankenwagen oder Polizei kommen müssen.“

Ex-Schulleiterin Doris Unzeitig löste öffentliche Debatte aus

Die vormalige Schulleiterin Doris Unzeitig, die die öffentliche Kontroverse ausgelöst hat, ist inzwischen in den österreichischen Schuldienst zurückgekehrt. Und sie hat ein Buch über ihre Zeit in Berlin geschrieben, das im Juni erscheinen soll. „Eine Lehrerin sieht Rot: Mini-Machos, Gewalt und Politikversagen in der Schule“, heißt es. Angesichts eines solch spektakulären Titels besucht Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) an diesem Mittwoch lieber mal die Schule, um nach dem Rechten zu sehen. Sie äußert sich erwartungsgemäß positiv. Endlich sei zum Beispiel das Elterncafé mit Hilfe eines bezirklichen Netzwerkes reaktiviert worden, lobte sie. Das findet auch der jetzige Elternsprecher Aslan Sali, der die Gewaltberichte eh übertrieben fand.

Tatsächlich hat die vormalige Schulleiterin aber, indem sie Alarm schlug, einiges erreicht. Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) ließ damals endlich eine lange angeforderte Gegensprechanlage mit Videoüberwachung am Gebäudeeingang installieren. Viel Gestrüpp und Büsche habe man auf dem Gelände entfernt, um eine bessere Übersicht zu haben. Ein Erzieher berichtet, dass sich im vergangenen Sommer die Drogenstrich-Szene von der Kurfürstenstraße hier breit gemacht hatte. Deshalb sichert nun immer noch ein Wachschützer, vom Bezirk bezahlt, allerdings nur das Außenareal. Zunächst waren zwei Wachschützer eingesetzt, um im Gebäude für Sicherheit zu sorgen. Demnächst soll zu einer Straßenseite ein 1,80 Meter hoher Zaun errichtet werden, betonte Schworck. Womöglich sei Wachschutz dann nicht mehr nötig.

Hortgebäude der Spreewald-Schule bleibt geschlossen

Besondere Probleme bereitet das futuristisch anmutende Hortgebäude mitten auf dem Schulhof. Seit zwei Jahren ist es geschlossen, weil ein zweiter Fluchtweg fehlt. Die Kinder nehmen ihr Schulessen nun in einem kleinen Durchgangsraum im Altbau ein, zeitlich dicht getaktet. Bei Bauprüfungen kam heraus, dass die Holzkonstruktion unter den Fensterfronten komplett marode war. Das muss alles erneuert werden. Schworck geht davon aus, dass das Gebäude ab Sommer 2019 wieder genutzt werden kann.

„Es ist nicht immer einfach zu verzeihen. Doch das Größte was wir können, ist Mensch zu sein“, singen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6b drüben im Altbau. Erst etwas leiser und schüchtern, doch spätestens ab der zweiten Strophe schauen sie dann nicht mehr auf den Boden und singen alle lauter mit. Eine Schülerin sagt danach, der Song „Seite an Seite“ von Christina Stürmer spreche zu ihr, denn niemand sei perfekt und das sei auch in Ordnung so. Darüber hätten sie auch in der Klasse gesprochen, während sie sich das Lied erarbeiteten.

Kinder sollen stolz auf die Spreewald-Schule sein

Viele der Kinder aus der 6b tragen die neuen Schulshirts, auf denen die von den Kindern entworfenen Schulmaskottchen aufgedruckt sind. Darunter ist zum Beispiel ein Igel mit ziemlich langen Stacheln, der weiß umrahmt auf die dunkelblauen T-Shirts gedruckt wird. Unter dem Motto „Wir sind ein Team“ will die neue Schulleitung eine positive Identifikation der Kinder mit ihrer Schule bewirken. Sie sollen wieder stolz auf ihre Schule sein.