Die Spreewald-Grundschule in Schöneberg war bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil Obdachlose und Junkies bei Dunkelheit auf das Gelände kamen. Die seinerzeitige Schulleiterin fürchtete um die Sicherheit und engagierte eigenmächtig einen Wachschutz. Oliver Schworck (SPD), Schulstadtrat von Tempelhof-Schöneberg, versprach einen mannshohen Zaun zu errichten, der Schulfremde abhalten soll.

Doch nun meldet sich der Stararchitekt Hinrich Baller zu Wort. „Ein einfacher Bauhauszaun würde eine Verunstaltung der gesamten Anlage darstellen“, sagte Baller am Dienstag der Berliner Zeitung. „Was urheberrechtsschutzwürdig ist, müsste dann ein Gericht entscheiden.“

Architektur von Hinrich Baller: Viel Beton, Glas, Stahl und geschwungene Bögen

Offenkundig hat der Bezirk den Architekten des futuristisch anmutenden Hort- und Turnhallengebäudes bisher gar nicht in seine Planungen einbezogen, obwohl sich das Erscheinungsbild der Anlage durch den hohen Zaun ändern würde. Auch der bisherige niedrigere Zaun stammt von Hinrich Baller, der als Architekt in Berlin bedeutende Bauwerke geschaffen hat: Etwa den Neubau des Philosophischen Institutes an der Freien Universität, das Einkaufszentrum Castello in Lichtenberg, die Rosenhöfe am Hackeschen Markt oder die Torhäuser am Kreuzberger Fraenkelufer im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1984. Stets baute er mit viel Glas, Stahl und Beton, charakteristisch sind die geschwungenen Balkonbögen und die spitzen Ecken.

Architekt Hinrich Baller will Zaun selbst verändern

Auch Turnhalle und Kita, später Hortgebäude der Spreewald-Grundschule an der Pallasstraße entstanden in dieser Bauweise. Baller, einst Professor an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste, ist aber nicht prinzipiell gegen die Zaun-Lösung. Er will aber seinen Zaun selbst verändern. Der könne zum Beispiel etwas feinmaschiger gestaltet werden, damit kein Fremder mehr mit den Füßen hinübersteigen könne. Wovor dem 83-jährigen Architekten graut, ist ein Baumarktzaun, der hinter dem eigentlichen Zaun hochgezogen würde, wie es erste Planungen vorsahen. „Das würde die Sicht zu sehr beeinträchtigen“, sagte er.

Doch Stadtrat Schworck entgegnet, dass der bisherige Zaun eher der Gestaltung und weniger der Nutzung dient. „Das ist eine Art Räuberleiter, die dem Sicherheitsbedürfnis der Schule nicht enspricht.“

Wasser sickerte in Turnhalle der Spreewaldschule

Der Bau von Turnhalle und Hortgebäude hatte sich in den 1990er-Jahren stark verteuert und schließlich auch einen schon 20 Jahre andauernden Rechtsstreit ausgelöst. Denn das Dach der Turnhalle erwies sich als undicht. Laut Architekt Baller hat die Bauleitung damals einen Fehler gemacht. Geschäumtes Glas sei als Wärmedämmung auf die Sporthalle draufgesetzt worden. „Das Glas muss aber absolut hohlraumfrei verklebt werden“, erläutert Baller. Das sei nicht geschehen, in der Folge sei Wasser eingesickert und habe zu Schäden geführt. Zuletzt gab das Landgericht dem Architekten in dieser Frage Recht. Doch der Bezirk bestreitet das und ist vor dem Kammergericht in Berufung gegangen, wo der Fall noch anhängig ist.

Und noch schlimmer: Das eigenwillige Hortgebäude ist seit zwei Jahren gesperrt, weil ein zweiter Fluchtweg fehlt. Die Grundschüler müssen seither in einem kleinem Raum im Altbau zu Mittag essen. Bei Bauprüfungen kam zudem heraus, dass die Holzkonstruktion unter den Fensterfronten komplett marode war. Das muss alles erneuert werden. „Holz muss gepflegt werden“, sagte Baller dazu und unterstellte, dass das unterblieben sei.