Die Eingangspforte zwischen den wuchernden Hecken ist kaum zu sehen. Ein kurzer, schmaler Weg führt durch eine kleine, grüne Oase. Katzen sonnen sich auf einer Steinplatte, in einem Korbstuhl, lassen sich streicheln. Hier, am Nordufer 14 in Wedding, an der südlichsten Grenze des Sprengelkiezes, befindet sich der Arbeits- und Wohnort des Kiezkenners und Kiezkünstlers Uwe Bressem. In seiner Werkstatt entstehen Aquarelle, Acryl-und Ölbilder auf Leinwand.

Verkehrsberuhigte Straßen

Vor 15 Jahren bezog der 57-Jährige gemeinsam mit seiner Frau einen ehemaligen „Irish Pub“, sanierte und gestaltete ihn zu einem großzügigen Wohnatelier um. Seit 1983 lebt und engagiert sich der gebürtige Westfale in seinem Kiez. Jahrelang hatte er gemeinsam mit anderen Anwohnern gegen die Durchfahrt von Lastern und Taxis gekämpft, die vor seiner Haustür in Richtung Westhafen und Flughafen Tegel brausten. „Einmal haben wir in einer Guerilla-Aktion mit Blumentöpfen die Straße abgesperrt“, sagt Bressem. Im Jahr 2007 wurden schließlich fest verankerte Poller dauerhaft zwischen der Torf- und der Samoastraße aufgestellt und der Rest der Straße mit Pflasterkissen verkehrsberuhigt. Direkt vor Bressems Haustür führt der Radweg „Berlin-Kopenhagen“ entlang.

Wenn Uwe Bressem morgens besonders früh aufsteht, schaut er gerne vom Nordufer aus nach den Reihern, die auf den Dalben im Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal hocken. „Die sitzen da bis sechs Uhr, dann hauen sie ab zur Fütterung im Zoo.“

Der Uferweg ist grün und menschenleer, und das mitten in einer Metropole. Der Künstler zeigt auf eine Betontreppe, die zur Kaimauer führt. An den Seiten des Kanals ist das Wasser relativ flach. „Nach dem Laichen im Sommer gucke ich der Fischbrut zu, schaue, wie kleine Weissfische, Rotfedern und Brassen ausschwärmen. Vom Uferweg aus kann er auch auf die erste von drei Eisenbahnbrücken schauen, die über den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal gebaut werden. „Für Eisenbahnfreunde wird das ein spektakulärer Anblick, wie aus einem Märklin-Baukasten.“

Multikulti Nachbarschaft

An seinem Kiez schätzt Bressem, „dass man sich untereinander kennt und hilft“, wie er sagt. Da gebe es Salim, erzählt er, der kümmere sich darum, dass der Schrott nicht die Straßenränder verschandelt. Mit seinem Lastenanhänger entsorge er, was er findet und was ihm gebracht wird. Wenn er einen Holzbalken bekommt, bringt er ihn zu Uwe Bressem, der ihm mit Meißel und Stemmeisen Ornamente verpasst. In den Nachbarschaftsladen im Sprengelhaus zieht es den Künstler zum „Quatschen und Büchertauschen“. 

Im Imbiss „Thai Son“ in der Torfstraße trifft er sich mit dem Verleger seiner illustrierten Bücher. Dort philosophiere er auch mit dem Imbissbetreiber über Alltag und Politik, wie er sagt. Ebenso redet er gern und viel mit dem aus Afghanistan stammenden Kioskbetreiber, einem studierten Physiker, bei dem er täglich seinen Tabak kauft. Gleich neben dem Kiosk befindet sich der Friseur Mando, ein witziger Laden, wie er zum Kiez nicht besser passen könnte. Bressem beschreibt ihn als „angenehm, freundlich und schnell“.

Viele Ausstellungsorte

Bressem sagt, der größte Wohlfühlfaktor für ihn seien aber die vielen Nischen, die der Wedding den Kunst- und Kulturschaffenden biete. In der evangelischen Osterkirche könnten sie ausstellen, ebenso im Studio Berten. Sehr sehenswert nennt er die Ausstellungen in der „Milchmeergalerie“, in der sich seit 25 Jahren Musiker, bildende und darstellende Künstler treffen. Uwe Bressem hat dort seine ersten ArtiStamps gezeigt, mit pastellfarbenen, meist fliegenden Fantasiewesen gestaltete Briefmarken, auf denen seine Kunst in die ganze Welt gelangte.