Eine vom Senat eingesetzte Kommission untersucht Vorwürfe gegen die renommierte Ballettschule. 
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BerlinDie Untersuchungskommission zu möglichen Jugendschutzverletzungen an der Staatlichen Ballettschule Berlin (SBB) hat einen neuen Leiter: Klaus Brunswicker, Experte für Schulentwicklung und bis zu seiner Pensionierung vor fünf Jahren Leiter der Sophie-Scholl-Schule. Er übernimmt das Amt anstelle von Hannelore Trageser, die sich Ende der vergangenen Woche von der Kommissionsspitze zurückgezogen hatte.

„Ich glaube, die Kommission ist sehr kompetent zusammengesetzt“, sagte der 69-Jährige der Berliner Zeitung am Dienstag wenige Stunden vor seinem ersten Treffen mit dem Gremium. Es ist für ihn die erste Untersuchung dieser Art. Er sei aber, so Brunswicker, durch seine langjährige Erfahrung in der Schulentwicklung mit Themen wie  Schulleitungshandeln, Schulkultur und Konfliktmanagement bestens vertraut. „Ich bin zuversichtlich, dass wir zu einer guten Analyse kommen werden und auch gute Empfehlungen aussprechen werden können.“

Trageser ging auf eigenen Wunsch

Den Rückzug von Hannelore Trageser von der Kommissionsspitze bezeichnete Brunswicker als „sehr vernünftig“. „Es ist wichtig, dass den Kommissionsmitgliedern von allen Beteiligten Vertrauen entgegengebracht wird.“

Trageser war von SPD-Schulsenatorin Sandra Scheeres zunächst zur Leiterin der Untersuchungskommission ernannt worden. Jedoch wurden Bedenken über ihre Unabhängigkeit laut, weil sie die SBB bis 2007 selbst geleitet hatte. Deshalb hatte Trageser das Amt nur wenige Tage später mit der Begründung niedergelegt, die Diskussion um ihre Eignung verzögere und behindere die Aufklärungsarbeit.

Die Senatsschulverwaltung hatte die Kommission Ende Januar gegründet, nachdem in einer Recherche des RBB Vorwürfe bekannt geworden waren, an der SBB würden Schülerinnen und Schüler seelisch und körperlich geschunden. Zudem verschließe die Schule unter der Leitung von Ralf Stabel die Augen vor Problemen wie Essstörungen. Die Kommission soll untersuchen, welche Probleme in der Struktur und Kultur der Schule zu den Anschuldigungen geführt haben könnten und Verbesserungsvorschläge machen.

Scheeres richtet Anlaufstelle für Einzelfälle ein

Zweifel an der Leitung der Kommission durch Trageser waren in der vergangenen Woche unter anderem in einem Statement aus der SBB-Schülerschaft laut geworden. In diesem wurden weitere Vorwürfe erhoben: Schülerinnen würde vorgeworfen, sie sähen „sexuell anzüglich“ aus, Aussagen wie  „du Arschloch“, „Du bist zu fett“ oder „Nimm mal 10 Kilo ab!“ seien für viele normal.

An der Schule herrsche außerdem eine „Kultur der Angst“, in der das Ansprechen von Problemen unangenehme Konsequenzen habe. Scheeres hatte daraufhin Ende vergangener Woche zusätzlich die Einrichtung einer von der Schule unabhängigen Clearingstelle in der Senatsverwaltung verkündet. Eltern, Schülerinnen und Schüler und Ehemalige sollen sich dort bei Problemen vertraulich an zwei Kinderschutzexperten wenden können. „Allen Hinweisen wird zügig und zugleich sensibel nachgegangen“, versprach die Senatorin.

Die Zahl der Mitglieder der Untersuchungskommission wurde von sieben auf acht erweitert. Neu ernanntes Mitglied: Stefanie Fried von „Save the children“. Kommissionsleiter Klaus Brunswicker begrüßte den Neuzugang: „Das ist noch mal ein ganz wichtiger Punkt, weil ein Teil der Vorhaltungen ja auch in den Bereich Kinderschutz gehört.“ Wann die Kommission erste Ergebnisse präsentieren wird, ist noch nicht bekannt.