Die lärmgeplagten Anlieger des Flughafens Tegel müssen länger als erwartet mit Turbinenkrach rechnen. Auf dem innerstädtischen Airport im Nordwesten Berlins werden auch mehrere Monate nach der Eröffnung des BER noch Flugzeuge starten und landen. Wenn der BER tatsächlich Ende 2017 öffnet, steht der geplante provisorische Regierungsflughafen in Schönefeld noch nicht zur Verfügung.

Weil das neue Terminal für die Staatsgäste nach dem jetzigen Zeitplan erst im ersten Halbjahr 2018 fertig wird, muss der derzeit als Regierungsflughafen genutzte Nordteil von Tegel weiter genutzt werden. „Er wird zwei bis drei Monate, vielleicht auch sechs Monate nach der geplanten BER-Eröffnung in Betrieb bleiben müssen“, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld der Berliner Zeitung.

Für den Empfang von Staatsgäste lagern Flaggen von mehreren Dutzend Staaten in einem Schrank, die roten Teppiche werden von einer Firma nach Bedarf geliefert. Im Norden des Tegeler Flughafengeländes befindet sich der militärische Teil der Anlage. Hier steht im Normalfall der Airbus A 340 der Bundeskanzlerin, auch die Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums hat dort einen Standort. Tegel-Nord hat keine eigenen Start- und Landebahnen, die beiden Pisten für den Linienverkehr werden mitgenutzt. Nun zeichnet sich ab, dass sie auch 2018 noch betrieben werden.

Rechtlich ist das möglich, sagte Mühlenfeld. Denn der Planfeststellungsbeschluss für den neuen Schönefelder Flughafen BER sieht vor: Bis zu sechs Monate nach der Inbetriebnahme der zweiten Start- und Landebahn darf Tegel in Betrieb bleiben. So, wie die aktuelle Planung für den neuen Regierungsairport in Schönefeld aussieht, wird den Verantwortlichen nichts anderes übrig bleiben, als diese rechtliche Möglichkeit zu nutzen – zu Lasten der vielen Anwohner von Tegel.

Teurer und später

Der Flughafenchef bekräftigte, dass Staatsgäste künftig auf dem Gelände des heutigen Schönefelder Flughafens empfangen werden. Zunächst entsteht ein „Interims-Regierungsflughafen“ – ein Provisorium für maximal fünf Jahre. Es soll auf der so genannten Ramp 1 gebaut werden, einer Vorfeldfläche schräg vor der Feuerwache. „Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben klärt mit den protokollarischen Bereichen, welche Anforderungen der Interimsstandort erfüllen muss“, so Mühlenfeld. Im Frühjahr 2016 werde mit dem Ausbau der Fläche begonnen. Für das Projekt möchte die Flughafengesellschaft nach einer Ausschreibung einen Generalunternehmer beauftragen.

Vor einigen Monaten hieß es noch, dass das Provisorium 20 Millionen Euro kostet und 2017 fertig wird. Nun ist offiziell von 48 Millionen Euro die Rede – und einer Fertigstellung in der ersten Hälfte 2018.

Östlich, auf der Ramp 2, soll wie berichtet 2019 der Bau des endgültigen Regierungsflughafens beginnen. Auch dort wird es zwei Bereiche geben: einen protokollarischen für Staatsgäste und einen militärischen für die Flugbereitschaft. Ein architektonisch wertvolles Gebäude von 1950, in dem anfangs die sowjetische Flughafenleitung residierte, steht im Weg. Mühlenfeld: „Die Generalsvilla wird abgetragen.“