Berlin - Der Eröffnungstermin ist eine Illusion. Daher passt er perfekt zur Staatsoper, Ort für Illusionen, Tricks und große Gefühle. Am 3. Oktober wird das Haus an der Straße Unter den Linden endlich wiedereröffnet, nach sieben Jahren Sanierung. Eine Oper gibt es, ein paar Aufführungen – und dann ist schon wieder Schluss.
Nach einer Woche wird das Haus erneut geschlossen. Damit wird zwar der versprochene Termin gehalten, aber bis zum 3. Oktober ist die Feinabstimmung der komplexen Technik im Opernhaus nicht möglich. Der Spielbetrieb geht dann Anfang Dezember los. Versprochen.

Inbetriebnahme am 7. Dezember

Verzögerungen kennt man auch von anderen Berliner Großbaustellen. Aber bei der Staatsoper gibt es nun einen festen Termin. Die tatsächliche Inbetriebnahme soll am 7. Dezember erfolgen. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher skizzierte den groben Zeitplan am Montag: Fertigstellung des Operngebäudes am 1. August, Abnahme durch die Bauaufsicht Mitte September, dann Übergabe durch ihre Verwaltung an die Oper. Es ist eine Lösung, die Opernintendant Jürgen Flimm erzwungen hat.

Er habe, so formulierte er es am Montag, bereits eine „Terminänderungsphobie“ entwickelt: „Ich wollte rein.“ Wer schon mal drin ist, gerät nicht in eine fortwehrende Schleife der Vertröstungen, so seine Hoffnung. Also wird es am 3. Oktober eine Oper geben, über deren Auswahl der Intendant noch schweigt. Gemunkelt wird über Charles Gounods „Faust“ aus dem Jahr 1859. Nach wenigen Aufführungen und Konzerten soll die Staatskapelle möglichst auf Reisen gehen und nur der Apollosaal – vorbehaltlich einer Genehmigung – für Kammerkonzerte, Lesungen oder Liederabende genutzt werden. Der Herbst gehört dann den Technikern.

7. Dezember ist der 275. Jahrestag der ersten Eröffnung der Oper

Am 7. Dezember, dem 275. Jahrestag der ersten Eröffnung der Oper, könnte es dann endlich mit dem Repertoire-Betrieb losgehen. Bis Jahresende sind zwei Premieren vorgesehen, bis Mitte 2018 sechs oder sieben weitere, insgesamt rund zwanzig Produktionen. Das Programm soll im Juni präsentiert werden.

Dann ginge für die Staatsoper eine lange Leidenszeit zu Ende. Seit Mitte 2010 wird das Gebäude saniert, das in einem beklagenswerten Zustand war. Im Krieg war es bei Bombenangriffen beschädigt worden; Architekt Richard Paulick baute die Oper bis 1955 wieder auf. Das Ende der aktuellen Sanierung war ursprünglich für 2013 geplant, es folgten Termine im Jahr 2014, 2015 und schließlich 2017 – jeweils zum 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit. In der Zwischenzeit gastiert die Oper in den Räumen des Schillertheaters, das sie in der Sommerpause verlassen wird.

Kosten bei 400 Euro

Die Gründe für die Verschiebungen und Verzögerungen, von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss ausgiebig beleuchtet, sind: Wasser im innerstädtischen Untergrund, was eigentlich niemand hätte überraschen dürfen; unerwartete frühneuzeitliche Holzpfähle im Untergrund; Schwierigkeiten beim Umsetzen der ambitionierten Umbaupläne und immer neue Überraschungen mit dem maroden Mauerwerk. Man hatte losgebaut, ohne den Zustand des Gemäuers hinreichend genau zu analysieren.

Damit stiegen auch die Kosten: Ursprünglich mit 239 Millionen Euro veranschlagt, sollen sie jetzt bei 400 Millionen Euro liegen. Die Kostensteigerung muss Berlin allein tragen. Der Bund sieht keine Veranlassung dafür, die bereits zugesagten 200 Millionen Euro nachträglich aufzustocken. Anders als beim Berliner Flughafen bleibt es offenbar nur bei einem Preissteigerungssprung.

„Der Teufel nistet im Mauerwerk“

Bausenatorin Katrin Lompscher und Kultursenator Klaus Lederer (beide Die Linke) befanden am Montag: Die Bauarbeiten sind „auf einem guten Weg“, sie jedenfalls seien „vorfreudig“ gestimmt. Intendant Flimm ist noch leicht misstrauisch: „Der Teufel nistet im Mauerwerk“, befand er, und der „Baugott“ als langsamer Bruder des Götterboten Merkur habe auch seine Hände im Spiel. Lompscher: „Ich bin zwar Atheistin, aber mit dem Baugott ist nicht zu spaßen.“

Und erst recht nicht mit dem Planungsgott. Denn bei allen Hindernissen, die erst nach der begonnenen Restaurierung zutage traten, sind die Kostenexplosion und die Ausdehnung des Zeitplans auch das Ergebnis eines kulturpolitischen Größenwahns aus der Ära Wowereit.

Ein durchdachtes und angemessenes Berliner Opernkonzept, in dem die Funktionen der bestehenden Häuser bedarfsgerecht aufeinander abgestimmt werden, war zwar diskutiert, vom Regierenden Bürgermeister und Kultursenator in Personalunion aber verworfen worden. Und so ist die Geschichte der Sanierung der Staatsoper auch eine des eher wurschtigen Umgangs mit staatlichen Fördermitteln. Gut, wenn sie nun zu einem Abschluss kommt. Hoffentlich.