Florian Pronold will seine Bewerbung nach der Gerichtsentscheidung nicht zurückziehen.
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BerlinIm Streit um den Direktorenposten der Berliner Bauakademie hat das Arbeitsgericht der Hauptstadt die Neubesetzung vorerst gestoppt. Die Stelle dürfe bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache nicht mit dem bereits ausgewählten Bewerber besetzt werden, teilte das Gericht am Dienstag zur Einstweiligen Verfügung mit. Damit wurde dem Antrag eines unterlegenen Mitbewerbers zunächst stattgegeben. Eine Berufung gegen das Urteil kann eingelegt werden. Einzelheiten zum Hauptsacheverfahren waren zunächst nicht bekannt.

Gegen die Ernennung des SPD-Politikers Florian Pronold hatten mehrere hundert Architekten und Museumsfachleute mit einem Offenen Brief protestiert. Darin heißt es, der Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesumweltministerium sei für das Amt nicht qualifiziert, dem Auswahlverfahren habe es an Transparenz gefehlt.  

Zur Person

Florian Pronold wurde am 28. Dezember 1972 in Passau geboren. Er war von 2009 bis 2017 Vorsitzender der SPD in Bayern. Im November 2019 wurde Pronold zum Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie gewählt.

Herr Pronold – ziehen Sie Ihre Bewerbung nach der Gerichtsentscheidung zurück?

Nein. Ich hab mich ganz normal in dieses Verfahren begeben, es gab eine Findungskommission, die einstimmig entschieden hat, dass ich der beste Kandidat bin. Den Offenen Brief haben offenbar auch viele Leute unterschrieben, die die Dinge selber gar nicht überprüft haben. Da werden etwa ein unvollständiger Ausschreibungstext zugrunde gelegt und falsche Tatsachenbehauptungen gegen mich erhoben.

Gefordert wurde für die Leitung der kommenden Bauakademie eine Person mit Fachausbildung, möglichst mit Promotion, mit herausragender wissenschaftlicher Reputation, Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Museen und Architektur-Institutionen, mit internationalen Kontakten. Warum haben Sie als Jurist und Berufspolitiker sich da beworben?

Die Bauakademie ist ein Herzensthema von mir. Ich war bis vor eineinhalb Jahren als Baustaatssekretär zuständig für das Projekt und habe versucht, bei der Konzeption die Fehler vom Schloss nicht zu wiederholen. Und ich hatte für mich vor einigen Jahren schon entschieden, das für mich nach fünf Perioden Deutscher Bundestag Schluss ist. Also habe ich mich beworben – auf den Ausschreibungstext, der in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stand. Es gibt allerdings auch eine kürzere Online-Version, auf die sich die Proteste beziehen.

In beiden werden wissenschaftliche Reputation, Kontakte etc. gefordert.

Da steht vor allem, dass die Bauakademie eine Plattform sein wird – nicht nur ein Architekturzentrum, wie in dem Offenen Brief vorausgesetzt wird. Es geht um das Zusammenspiel von Bauen, Stadtentwicklung, Architektur, Technik und Handwerk. Außerdem kenne ich kaum jemanden, der die nationale Baupolitik so stark beeinflusst hat – auch das ist neben vielen anderen Punkten in der Ausschreibung gefordert – etwa im Baugesetzbuch oder in der Städtebauförderung wie ich: Erhöhung der Städtebauförderung, die Bundesstädtebauförderung, die Mietpreisbremse etc. – alles Themen, die auch in der späteren Bauakademie eine Rolle spielen können.

Die Behauptung, ich hätte mich nie mit baukulturellen Fragen beschäftigt, ist also schlichtweg unwahr. Und es geht hier ja nicht darum, dass sich ein Intendant selbst verwirklicht, sondern dass man einen Ermöglichungsraum für möglichst viele Institutionen schafft.  

Womit haben Sie die Auswahlkommission überzeugen können?

Ich habe im Kern vier Bausteine vorgestellt, aus denen man die neue Bauakademie inhaltlich gestalten kann. Mir schwebt vor, das wir ein lebendiges Gebäude haben, dafür Gastronomie, vielleicht auch ein verdrängter Club aus der Berliner Szene und Geschäfte, die zur Struktur der Bauakademie passen. Kein Museum also, sondern ein offenes Gebäude, wo Leute auch gerne reingehen.

Ich stelle mir vor, dass wir von Mörteln und Hämmern bis zur Virtuellen Baustelle 4.0 ein Angebot machen, das sich gezielt an Kinder und Jugendliche wendet, auch eine an Schinkel anknüpfende interdisziplinäre Ausbildungsebene, in der Architekten, Handwerker und Techniker sich zum Beispiel um die richtige Strategie bei der Gebäudesanierung streiten und das nicht erst auf der Baustelle machen. Ich finde, das alles müssen wir zum Thema machen. Eine internationale Akademie ist angedacht, in der etwa Städteplaner und Architekten aus Krisenregionen für den Wiederaufbau lernen können.

Und die alles entscheidende Frage ist, wie man im Bestand zu höheren Einsparquoten kommt. Doch was ich immer wieder feststelle, ist, dass der Transfer von den Fachdebatten in die Politik ungeheuer lange dauert. Die Bauakademie kann da die Diskussionsprozesse bündeln.

Sie hatten als Jurymitglied und Juryvorsitzender detaillierten Einblick in die zum Programmwettbewerb für die Bauakademie eingereichten etwa 80 Projekte. Im allgemeinen Geschäftsleben oder im Beamtenrecht würde man Sie deswegen als befangen ablehnen.

Die Bundesstiftung Bauakademie ist gemeinnützig. Ich kann hier an das anknüpfen, was ich bis vor eineinhalb Jahren als Baustaatssekretär gemacht habe. Es ist also kein Seitenwechsel.

Sicher kommt einiges auch in etwa drei von fünf der Siegerarbeiten ebenfalls vor, und ich werde nie beweisen können, dass ich da nicht abgeschrieben habe. Aber glauben Sie mir, das habe ich nicht nötig. Und ich bin mir auch sicher, dass ich bei der Bewerbung über keine exklusiven Informationen verfügt habe. Dass mir als Politiker ein Makel anhängt, ist mir bewusst. Aber ist es mir deswegen verboten, mich zu bewerben?

Beim Humboldt-Forum gab es mittlerweile acht Besetzungen, die ohne öffentliche Ausschreibung stattgefunden haben. Hier findet sie einmal statt – und dann wird auch geklagt. Ich halbiere mein Gehalt, der Posten ist nur auf fünf Jahre vergeben. Alleine in der Zeit bis zum Ende des jetzigen Bundestags würde ich höhere Ansprüche erwerben, als ich an der Bauakademie verdienen kann.

Das Gespräch führte Nikolaus Bernau