Nach dem misslungenen Regierungsstart von Rot-Rot-Grün hat Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) ein Versprechen gehalten: Sie wollte nach den Winterferien einen Nachfolger für den zurückgetretenen Staatssekretär Andrej Holm präsentieren. Die Entscheidung kam dann am Dienstag zur Senatssitzung: Nachfolger von Holm, der wegen falscher Angaben zu seiner Stasi-Vergangenheit zurückgetreten war, wird Sebastian Scheel. Er soll am 22. Februar ernannt werden.

Der 41-Jährige, der in Frankfurt/Oder geboren wurde, ist bislang parlamentarischer Geschäftsführer der Linke-Fraktion im sächsischen Landtag. In der dortigen Linken ist der Mann, der anders als Holm oft Anzug und Krawatte trägt, eine der Führungsfiguren und gilt als politischer Erneuerer. Anders als viele seiner Genossen erlebte Scheel die DDR nur noch als Jugendlicher, prägend waren für ihn die Nachwendejahre. Seit Jahren pflegt er enge politische und persönliche Kontakte zum Berliner Landesverband. Wie es hieß, galt er intern auch vor der Senatsbildung im Dezember als Anwärter auf ein Amt. Man habe aber davon Abstand genommen, um keine Lücke in der sächsischen Fraktion zu reißen.

Sebastian Scheel war für Finanzpolitik zuständig

In Sachsen war Scheel für Finanzpolitik zuständig. Er bringe umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit öffentlichen Unternehmen mit, das qualifiziere ihn auch für sein neues Amt, so Berlins Linke-Landeschefin Katina Schubert zur Berliner Zeitung. Zu Scheels wichtigsten Aufgaben wird es gehören, den städtischen Wohnungsbaugesellschaften stärker auf die Finger zu schauen. Gerade erst verfügten sie entgegen den Ankündigungen des rot-rot-grünen Senats Tausende Mieterhöhungen – was wohl auch eine gezielte Provokation war.

Holm, der wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humboldt-Universität war, hatte 2005 in einem Personalfragebogen verneint, hauptamtlicher Mitarbeiter der Stasi gewesen zu sein. Dabei hatte er im Wendeherbst einige Monate lang Dienst als Offiziersschüler geleistet. Nach langer Debatte war er als Staatssekretär zurückgetreten. Jetzt hat er ein Angebot der Linksfraktion, als freier Berater tätig zu werden. Entschieden hat er sich noch nicht. 

Auch seinen Job an der Humboldt-Uni hatte Holm verloren. Seit seinem Rauswurf vor vier Wochen besetzen 50 Studenten das Institut für Sozialwissenschaften und fordern seine Rückkehr.