Tabellenplatz 4, mit Glück bald ein Platz unter den besten drei – es läuft für Hertha. Aber Glück im Spiel ist nicht alles – für sein Projekt eines Stadionneubaus muss der Verein noch einige Überzeugungsarbeit leisten. Am Freitag unternahm Klaus Teichert, Geschäftsführer der Hertha-Stadiongesellschaft, einen Versuch im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses.

„Der Standort ist das Problem"

Er stieß auf viele Nachfragen und massive Zweifel. Es geht um die Zukunft des Olympiastadions, um finanzielle Risiken, und um die Privatisierung einer öffentlichen Fläche. „Wir müssten einen erheblichen Teil des Olympiaparks aufgeben für eine kommerzielle Arena“, sagte der SPD-Abgeordnete Dennis Buchner. Der Linke-Politiker Philipp Bertram erklärte: „Niemand stellt die Idee eines reinen Fußballstadions infrage. Die Probleme ergeben sich aus dem Standort.“

Teichert begann mit einer umfangreichen Präsentation zum Stand der Planungen. Dafür habe der Verein schon erhebliche Summen aufgewendet, erwähnte er dezent. Mit Geld kennt er sich aus,  schließlich ist er ehemaliger Finanzstaatssekretär unter Thilo Sarrazin und einer der Architekten der rot-roten Sparpolitik.

Mehr „Einschüchterung"

Den Bauplatz hat sich Hertha bereits ausgesucht. Er liegt nördlich des Olympischen Platzes an der Rominter Allee. Eine Fläche von rund 50000 Quadratmetern benötigt Hertha, 35000 davon fürs Stadion. 55137 Plätze soll die Arena haben, davon 46791 in blauen Sitzschalen. 2022 soll Baubeginn sein, 2025 Fertigstellung. „Diese Pläne sind unser Commitment, dass wir uns an diesem Platz zuhause fühlen und dass wir hier bleiben wollen“, sagte Teichert.

Bloß im Olympiastadion selbst fühlt sich der Verein eben nicht mehr wohl. Die Probleme sind bekannt: Die 75000 Plätze bleiben oft halb leer, die Fans sind weit vom Geschehen entfernt. Teichert hatte auch dazu Zahlen: Die Entfernung zwischen der ersten Fanreihe soll von 21 auf 8 Meter schrumpfen. Stadienplaner haben auch einen akustischen Index entwickelt und ihn reichlich martialisch „Intimidation Index“ („Einschüchterungsindex“) genannt. Im Olympiastadion beträgt er 10 Prozent, ein sehr schlechter Wert. Die besten Stadien Europas erreichen mehr als 70.

Wer sind die Investoren?

Sparsam war Teichert mit seinen Auskünften zu vielen Fragen der Abgeordneten. Alleine kann Hertha die mindestens 200 Millionen Euro für den Neubau nicht stemmen. Verhandlungen mit Investoren laufen bereits. Wer sie sind? Teichert wollte es nicht offenlegen, und erklärte, er werde es auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht tun. „Das würde die Interessen unserer Partner berühren.“

Aber es berührt eben auch die Interessen des Landes Berlin, schließlich will Hertha einen Erbpachtvertrag abschließen – von dem die Investoren unmittelbar profitieren. Es gibt also ein legitimes Interesse, zu wissen, wer sie sind und wo sie ihrerseits ihr Geld herhaben. Und was ist, wenn ihnen das Geld ausgeht und plötzlich das Land eine Bauruine am Hals hat? Teichert gab keine Auskünfte, nur die Zusage, dass es eine Fertigstellungsbürgschaft geben werde. „Ich frage mich, wie sie das vor ihren Mitgliedern und Fans durchhalten wollen“, kommentierte das der SPD-Abgeordnete Buchner.

Immerhin gibt's Erbpacht

Zweiter großer Konfliktpunkt ist die zukünftige Nutzung des Olympiastadions. Dort bricht rund die Hälfte der Einnahmen weg. Zugleich wird es kaum leichter, neue Veranstaltungen zu gewinnen. Parallel können die beiden Stadien nicht bespielt werden, die Belastung für Verkehrswege und Anwohner wäre zu hoch. Wäre Hertha zu einer Kompensation bereit? Der Verein werde ja Erbpacht zahlen, sagt Teichert. Und: „Wenn der Mieter mit einem Vorlauf von sieben Jahren auszieht, dann ist das ja viel Zeit, um sich Gedanken über ein Nutzungskonzept zu machen.“

Bloß können auch jahrelange Überlegungen nicht jedes Dilemma ausräumen. Absehbar würde der Olympiapark für das Land zu einem Zuschussobjekt.

Tegel ist keine Alternative

Dritter Punkt ist die Kompensation der jetzigen Nutzer und Bewohner des Geländes. Das sind die Sportvereine, die auf Flächen verzichten müssen – zugunsten eines kommerziellen Akteurs, wie Andreas Statzkowski von der CDU anmerkte. Es ist der Landessportbund, der dort eine Jugendbildungsstätte betreibt. Und es sind die Mieter in 24 Wohnungen, die abgerissen werden müssten. „Es ist zu früh, darüber zu sprechen“, sagte Teichert. Leider habe man aus Datenschutzgründen auch noch nicht Kontakt mit den Mietern aufnehmen können. „Fahren Sie hin und werfen Sie Zettel in die Briefkästen“, empfahl Stefan Förster von der FDP.

Also doch ein anderer Standort? Auch diese Frage wurde erörtert – Koalitionsabgeordnete hatten im Tagesspiegel den Flughafen Tegel empfohlen, wo 2020 der Flugbetrieb enden soll. Für einen Baubeginn 2022 würde das gerade reichen. Ob er einer der mehr als fünfzig Standorte ist, die Hertha geprüft hat, ließ Teichert offen. Er sagte nur: „Alle Alternativen zum Olympiapark sind aus unterschiedlichen Gründen gescheitert.“

Sind diese zahlreichen Dilemmata auflösbar? Sportsenator Andreas Geisel versprach zumindest im Namen der Landesregierung: „Hertha ist ein Berliner Verein, und wir wollen ihn in Berlin halten. Wir wollen weiter verhandeln. Zum Nutzen von Hertha, aber keinesfalls zum Nachteil in Berlin.“