Berlin - Besucht haben wir die Stadionsprecher von Hertha BSC, den Eisbären und Alba Berlin.

„Herrrthaaa“, von Wachsmanns Markenzeichen

Samstag, 28. Januar im Olympiastadion. Es ist 13 Uhr, in zweieinhalb Stunden wird das Hertha-Spiel gegen den Hamburger SV angepfiffen. Die Spieler sind noch in den Kabinen, doch für Fabian von Wachsmann und Udo Knierim hat die Arbeit bereits begonnen. In ihren blauen Winterjacken mit den Hertha-Aufnähern sehen sie aus wie Fans. Das sind sie auch, aber vor allem sind sie die Stadionsprecher von Hertha BSC.

In einem beengten Raum sitzen sie oben in Block 17 bei der Regiebesprechung. „Um 13.30 Uhr sind wir auf Sendung“, sagt der Regisseur. Wie bei einer Fernsehshow geht er mit den Kameraleuten, Toningenieuren sowie den Stadionsprechern minutiös den Ablauf des Programms durch.

„Nach der Begrüßung geht Udo in die Kurve, Fabian bleibt erst mal vorn. Dann machen wir Musik.“ 50.000 Karten wurden für das erste Heimspiel von Hertha BSC nach der Winterpause verkauft, davon 10.000 an HSV-Fans. Es ist ein wichtiges Spiel. Beide Mannschaften sind Abstiegskandidaten. Die Ostkurve ist mittlerweile mit 7.000 Hertha-Fans bis auf den letzten Platz belegt.

Die Spannung ist mit Händen zu greifen. Von Wachsmann (44) und Knierim (35) wirken gelassen und machen Späße, aber gleich müssen sie vor 50.000 Besuchern für gute Stimmung sorgen. „Wir sind jedes Mal wieder aufgeregt“, sagt von Wachsmann.

Die beiden sind professionelle Sprecher. Sie kommen vom Radio und haben das Moderieren gelernt. Für ihren Nebenjob bei Hertha erhalten sie ein Honorar. Knierim ist seit 1999 Stadionsprecher, von Wachsmann schon seit 1996. „Ich hatte Kontakte in den Verein. Wir haben uns damals überlegt, wie man den Auftritt von Hertha optimiert“, sagt von Wachsmann. Eine Neuerung war, dass die Stadionsprecher nicht mehr abgeschirmt unterm Dach in einer Kabine sitzen, sondern ihre Arbeit am Spielfeldrand machen.

Dort steht jetzt auch Knierim und macht vor dem Spiel noch ein bisschen Werbung. Er preist an diesem bitterkalten Tag gut gelaunt Biberbettwäsche an, die auf großen Leinwänden zu sehen ist. Auch die Sponsoren wollen präsentiert werden. Das Moderatoren-Duo hat eine klare Arbeitsteilung. Knierim macht das lockere Beiprogramm. „Und Fabi ist für den offiziellen Teil wie Mannschaftsaufstellung oder Interviews mit den Ehrengästen zuständig“, sagt Knierim. Die Spieler kommen auf den Platz, von Wachsmann begrüßt sie mit einen donnernden „Herrrthaaa“, sein Markenzeichen. Später stellt er sie in der Ostkurve einzeln vor.

Die Fans jubeln. Noch. Nach dem Anpfiff sitzen die Stadionsprecher auf Plätzen neben der Trainerbank und legen sich Wolldecken über die Knie. Die Gegentore sagt ein anderer Sprecher an, der oben in der Kabine sitzt, gewissermaßen eine neutrale Stimme. Nur einmal kann von Wachsmann „Tooor“ für Hertha rufen, die Partie endet 1:2. Die Sprecher wünschen einen guten Heimweg. Mehr nicht. „Bei einer Niederlage kann man nicht auf gute Laune machen“, sagt Knierim. „Das würden uns die Fans nicht abnehmen.“

„Und hier ist sie, die Starting Six“

Freitagabend, 3. Februar: In der O2 World läuft bereits das Vorprogramm der Eisbären, doch Hallensprecher Uwe Schumann sitzt noch mit den Kampfrichtern beim Kaffee zusammen. Der 51-Jährige muss erst kurz vor Beginn des Eishockeyspiels raus. An diesem Tag treffen die Eisbären auf die Grizzly Adams Wolfsburg. Die Berliner sind zwar auf Platz 1 der DEL-Tabelle. Doch acht Stammspieler sind verletzt. „Allein fünf haben eine Gehirnerschütterung“, sagt Schumann. „Das wird schwierig.“

Schumann ist Berufsschullehrer in Marzahn. Er unterrichtet Sozialkunde, Informatik und Sport – und entdeckte vor mehr als 20 Jahren seine Liebe zu den Eisbären. „Ich sah ein Spiel und war infiziert“, sagt er. Er bewarb sich, eine Ausbildung als Sprecher hatte er bereits. „Zu DDR-Zeiten war ich auch mal Diskotheker.“ Schumann schätzt, dass er inzwischen bei 630 Spielen als Hallensprecher dabei war.

Kurz vor Spielbeginn um 18.55 Uhr zieht er sich in seinen „inneren Tunnel“ zurück. Er will allein sein, muss sich konzentrieren. Die Halle ist ausverkauft. Die 14 200 Zuschauer erwartet nicht nur ein Eishockey-Spiel, sondern auch jede Menge Show.

Den Auftakt macht Schumann: Vorsichtig schlittert er in seinen Turnschuhen zur Mitte der Eisfläche, ein Scheinwerfer folgt ihm. Dann geht er in die Knie, reißt die Arme hoch und gibt die Aufstellung der Gäste bekannt. Er rudert mit den Armen auf und ab und dreht sich ruckartig in alle vier Richtungen. Bei den Fans ist das Kult. Sie klatschen und jubeln und als die Eisbären-Hymne der Puhdys ertönt, singen sie begeistert mit. Ein Feuerwerk wird gezündet, während die Spieler aus einem riesigen Eisbär-Maul herausfahren. „Und hier ist sie, die Starting Six“, ruft der Sprecher. Bis eben hat er berlinert, jetzt spricht er Hochdeutsch.

Während es auf dem Eis zur Sache geht, die Spieler mit voller Wucht gegeneinander knallen, sitzt Schumann in einer verglasten Kabine am Spielfeldrand. „Hier bin ich eingesperrt“, sagt er. Die Eisbären liegen zurück, holen aber auf. „Tor“ brüllt der Sprecher ins Mikrofon und ballt eine Faust. Das Kinderlied „Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste“ schallt aus den Lautsprechern. Doch den Höhepunkt bereiten die Fans. In der 30. Minute skandieren sie wie jedes Mal zur Hälfte der Spielzeit „Ost-, Ost-, Ost-Berlin“. Zum Schluss steht es 3:4. Bei einem Bier im VIP-Bereich hakt Schumann das Spiel ab. Es war nur eins von vielen.

„Rödl ist eine Alba-Legende“

Sonntag, 5. Februar, wieder in der Arena am Ostbahnhof. Heute wird hier Basketball gespielt. In der Ostkurve, wo vor zwei Tagen noch die Fans der Eisbären standen, sind jetzt Sitze angebracht. Die Anhänger von Alba hält es aber nicht auf ihren Plätzen. Kurz vor 17 Uhr begrüßen sie ihre Mannschaft mit einem Trommelwirbel, der während des ganzen Spiels nicht abebbt. Zuvor hat sogar der Gegner Applaus gekriegt. Henrik Rödl, Coach von TBB Trier, hat in den Neunzigern mit Alba sieben Mal die Meisterschaft gewonnen. „Rödl ist eine Alba-Legende“, sagt Hallensprecher Tom Böttcher. „Das wird ein Spiel unter Freunden.“

Mit den Kreolen in den Ohren ist der groß gewachsene Hallensprecher zwar eine auffällige Erscheinung, doch während des Spiels hält er sich zurück. „Ich muss zumindest den Anschein vermitteln, unparteiisch zu sein“, sagt der 44-Jährige. Er ist ein eingefleischter Anhänger und fährt auch zu Auswärtsspielen mit den Fans im Bus mit. Seit zwölf Jahren ist Böttcher Hallensprecher von Alba, seine Stimme kennt man auch durch Radioeins, wo er Sendungen wie „Der schöne Morgen“ moderiert.

Während des Spiels ist Böttcher ständig am Mikrofon. Er sagt jeden Korb an, erklärt jede Entscheidung des Schiedsrichters. „Basketball hat ein komplexes Regelwerk“, sagt er. „Da ist es wichtig, dass ich die Besucher durch das Spiel leite.“ Ein Spiel, in dem es dauernd Unterbrechungen gibt, die Böttcher überbrücken muss. Er übermittelt Geburtstagsgrüße oder stellt den Fanartikel des Tages vor, ein Shirt. Den Endstand, ein knappes 73:61, teilt er dann eher nüchtern mit. „Das war keine besonders spektakuläre Begegnung“, sagt er.

Nach dem Spiel muss er noch mal richtig arbeiten. Einige Fans sind geblieben, um die Interviews zu hören, die er mit den Spielern führt. Auf Englisch, viele Athleten stammen aus den USA. „An schlechten Tagen ist das eher Denglisch“, sagt Böttcher und begrüßt Torin Francis. Neben dem Starspieler von Alba sieht sogar der 1,91-Meter-Mann Böttcher klein aus.