„Stadt für Menschen“ Initiative will Schönhauser Allee teilweise sperren

Straßen für Fußgänger, nicht für Autos: Das ist das Motto der Berliner Initiative „Stadt für Menschen“. Jetzt hat sie ihr Programm für die kommenden Monate vorgestellt. Erneut soll die Friedrichstraße in Mitte teilweise gesperrt und in eine Flaniermeile verwandelt werden. Eine ähnliche Aktion plant das Bündnis für einen Abschnitt der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Auch dort soll der Platz für Kraftfahrzeuge vorübergehend eingeschränkt werden.

Die Mitglieder sind bei den Grünen aktiv, beim Netzwerk Fahrradfreundliche Mitte, Changing Cities, Greenpeace und bei anderen Organisationen, die den Berliner Stadtverkehr verändern wollen.

Lesungen auf der Fahrbahn

Am 15. Dezember, dem zweiten Adventssonnabend 2018, gab die Initiative „Stadt für Menschen“ ihr Debüt. Am U-Bahnhof Stadtmitte wurde ein Abschnitt der Friedrichstraße für Kraftfahrzeuge gesperrt. Während der angemeldeten Demonstration wurde auf dem Asphalt diskutiert, gemalt, flaniert. „Die Straße war leiser, sicherer und attraktiver – ein Ort zum Durchatmen“, lautete das Fazit.

Am 19. Februar um 19 Uhr geht es nun in der Stadtwerkstatt in der Karl-Liebknecht-Straße 11 am Alexanderplatz um „Zukunft Berlin – Stadtraum zurückerobern“. Als Vorbilder werden Rotterdam in den Niederlanden und Oldenburg in Niedersachsen angeführt. Damit ist klar, woher die auswärtigen Gäste kommen: Martin Aarts ist Stadtplaner aus Rotterdam. Die Grünen-Verkehrspolitikerin Susanne Menge, einst als Berliner Verkehrssenatorin im Gespräch, lebt in Oldenburg – laut Initiative eine „Stadt mit einer Fußgängerzone, die sich größter Anerkennung erfreut und auch nachts belebt ist“.

„Der Straßenbahnverkehr wird nicht beeinträchtigt.“

„Wir wollen zeigen, wie schön die Friedrichstraße ist, wenn sie den Fußgängern zur Verfügung steht“, heißt es für den 11. Mai, den Tag des Lesens. Am zweiten Mai-Sonnabend sollen Kraftfahrzeuge von einem anderen, längeren Teil der Nord-Süd-Verbindung verbannt werden: vom Abschnitt zwischen dem Bahnhof und Unter den Linden. Wo sonst Autos fahren, sollen Lesungen stattfinden. Genutzt wird der Bereich außerhalb der Gleistrasse der M1 und 12, sagte Matthias Dittmer von der Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität der Grünen. „Der Straßenbahnverkehr wird nicht beeinträchtigt.“

Am 15. Juni, dem Tag der Verkehrssicherheit, will die Initiative in der Schönhauser Allee präsent sein – vor dem Einkaufszentrum Arcaden. Noch steht nicht fest, wie lange die Aktion dauert und welchen Teil der Fahrbahn sie in Anspruch nimmt.

Bald auch Unter den Linden?

Eine Idee sieht vor, die östliche Hälfte der Schönhauser Allee für den motorisierten Verkehr zu sperren – wie es das vom Senat eingeladene dänische Planungsbüro Gehl Architects bereits 2015 angeregt hatte. Dessen Konzept sah vor, den Autoverkehr in beiden Richtungen auf der Fahrbahn westlich des Hochbahnviadukts zu konzentrieren. Vor dem Einkaufszentrum, auf der Sonnenseite, entstünde Platz zum Spazieren und Radfahren, so ein Planer damals. „Die Verkehrsführung am 15. Juni muss noch mit der Polizei besprochen werden“, sagte Dittmer.

Weitere Ideen werden diskutiert. „Im Spätsommer kommen Aktionen auf der Museumsinsel hinzu und eine längere Sperrung auf der Friedrichstraße, vielleicht zusammen mit einem Teil von Unter den Linden“, so der Sprecher. „Wir wollen dynamisch die Aktionen im räumlichen Umfang wie im zeitlichen steigern.“