Wohl selten hatte das Verwaltungsgericht in Potsdam einen solch kuriosen Fall zu verhandeln, wie es am Freitagmittag der Fall war. Und es kostete den drei Berufsrichtern und zwei Schöffen schon etwas Kraft, bei der Geschichte die Contenance zu waren.

Ein Lächeln konnten sie sich aber nicht verkneifen. Und Donald Burchards, der Vorsitzende Richter, musste einräumen, dass die Vorbereitungen zu der Verhandlung „gelegentlich für Erheiterung“ gesorgt habe. „Ich hoffe, sie nehmen mir die Bemerkung nicht übel“, wandte sich Burchards schmunzelnd an den Kläger. Dieser winkte nur ab.

Es ist, wenn man so will, eine Art Kopftuchstreit, der da vor dem Verwaltungsgericht ausgetragen wurde. Es geht um ein Passfoto, auf dem der Kläger ein Piratentuch trägt. Damit wollte Rüdiger Weida, so der Name des Mannes auf dem Foto, seinen neuen Personalausweis schmücken. Doch den Wunsch schlug ihm die Passbehörde der Stadt Templin ab.

Also reichte Weida Klage gegen die Stadt Templin beim Verwaltungsgericht ein.

Rüdiger Weida kommt auch an diesem Tag mit einer Piratenmütze ins Gericht, auf dem ein Fisch mit Augenklappe zu sehen ist. Der ehemalige Jugendsozialarbeiter ist heute 64 Jahre alt, Rentner und zugleich der Vorsitzende der satirisch-kritischen „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland“, deren Mitglieder Pastafari heißen und die laut Satzung Piratenkluft tragen müssen.

Die Spaghettimonster-Kirche wendet sich laut Weida gegen jeglichen Dogmatismus. Sie wurde vor Jahren in den USA als Gegenbewegung zu den Leugnern der Evolutionstheorie gegründet. Statt einem „Vaterunser“, beten die Pastafari ein „Monsterunser“. Antikirchlich sei die Bewegung in Deutschland aber nicht, sagt Weida. Und Blasphemie lehne er ab.

Führerscheinbehörde hatte keine Bedenken

Rüdiger Weida ist seit 2005 bei den Spaghettimonstern. Er sagt, als er noch Jugendsozialarbeiter gewesen sei, habe er die Piratenkluft nicht in der Öffentlichkeit getragen. Als Rentner dann schon, er gehe ohne die für Piraten typische Kopfbedeckung nicht mehr aus dem Haus.

Vor zwei Jahren hatte Weida bei der Passbehörde der Stadt Templin einen neuen Personalausweis beantragt. Und weil gläubige Muslima auf den Passfotos einen Schleier tragen dürfen und katholische Glaubensschwestern eine Haube, wollte Weida sein Piratentuch mit aufs Foto haben. Das lehnte die Behörde ab mit der Begründung, es handele sich bei der Spaghettimonster-Kirche um keine anerkannte Religion.

Beschwerden Weidas fruchteten nichts, doch Weida ließ auch nicht locker. Schließlich, so sein Argument, sei die Spaghettimonster-Kirche eine Weltanschauungsgemeinschaft, die laut Grundgesetz gleichberechtigt mit einer Religionsgemeinschaft sei. Den Vorwurf einer Spaßreligion, wie es offenbar in einer Stellungnahme des Bundesinnenministeriums an die Passbehörde in Templin heißt, weist er von sich.

Richter Burchards musste nach einem langen Vortrag einräumen, dass die Klage Weidas zulässig sei. „Doch ist sie auch begründet“, fragte der Vorsitzende Richter. Nach einer Dreiviertel Stunde Beratungszeit der Richter kam dann am frühen Nachmittag das Urteil. Die Passbehörde der Stadt Templin habe zur Recht den Personalausweis mit einem Passbild, auf dem Weida mit Piratenkopfbedeckung abgelichtet ist, verweigert. Der Spaghettimonster-Kirche fehle ein eigener weltanschaulicher Erklärungsansatz, so die Begründung. Vielmehr gehe es der „Kirche der Fligenden Spaghettimonster“ um eine „parodistisch-kritische Auseinandersetzung“ mit als intolerant und dogmatisch empfundenen Lehrmeinungen. Das Gericht ließ gegen die Entscheidung keine Berufung zu.
Etwas verwundert dürfte Rüdiger Weida über die Entscheidung schon sein. Denn bei seinem Führerschein, ausgestellt durch die Führerscheinbehörde im uckermärkischen Angermünde, gab es keine Bedenken. Auf dem Dokument prangt ein Foto, auf dem Weida eine dunkle Piratenkappe mit einem Piratenfisch trägt.