Sie hat mit einem Betrag in dieser Höhe nicht gerechnet. Für Barbara Jaeschke, die Geschäftsführerin der GLS-Sprachenschule in der Kastanienallee in Prenzlauer Berg, war immer klar: Die Kosten für den Umbau des Stadtbades Oderberger Straße berechnet sie besser ohne Fördermittel. Das sei am sichersten. Sie sagt, sie kenne genug Projekte, die scheiterten, weil Geld vom Staat, das die Investoren eingeplant hatten, dann doch nicht gezahlt wurde. In ihrem Falle bringt der Senat das Geld nun auch noch persönlich vorbei. „Da bin ich schon überrascht“, sagt Barbara Jaeschke.

Am Mittwoch überreicht Ephraim Gothe, der Staatssekretär für Bauen und Wohnen in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Geschäftsführerin Barbara Jaeschke einen Förderbescheid in Höhe von einer Million Euro. Mit diesem Betrag unterstützt das Land Berlin die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes. Gleichzeitig sei die Unterstützung eine Referenz an die Investorin und ihren Mut, heißt es im Senat.

Für zwölf Millionen Euro, finanziert aus Krediten, saniert die GLS-Chefin derzeit die frühere Volksbadeanstalt des Architekten Ludwig Hoffmann. Das Stadtbad musste 1986 wegen Rissen im Boden schließen. Alle Sanierungspläne scheiterten in den vergangenen Jahren. In zwei Jahren soll das sanierte Stadtbad ein Teil des GLS-Sprachenzentrums sein: In dem Gebäude entstehen weitere 80 Hotelzimmer für die Kursteilnehmer und neue Seminarräume. Das wiederhergerichtete Schwimmbad ist dann öffentlich, es hat von Montag bis Freitag geöffnet. Auch darüber freut sich der Senat.

Streit um teure Fenster

Vor ein paar Monaten sah das noch anders aus. Da stritten sich die Denkmalschützer von Bezirk und Senat mit der GLS-Chefin. Sie spricht von einem „intensiven Austausch“. Es ging um die historischen Stahlfenster. Die Denkmalschützer forderten, die Fenster müssten in Handarbeit komplett aufgearbeitet werden. Die Bauherrin hingegen wollte extra angefertigte Holzfenster in die künftigen Hotelzimmer einsetzen. Erhebliche Kosten hätte zudem die denkmalgerechte Sanierung der Fassade verursacht, Spezialputz ist dort nötig. Viel Geld kostet es, Putten und Ornamente zu erneuern. „Die Mehrkosten sind erheblich. Ohne Fördermittel hätten wir die Forderungen nicht erfüllen können“, sagt Barbara Jaeschke. „Doch wir haben uns geeinigt.“

Was der Denkmalschutz fordert, finanziert nun das Land Berlin. „Wir haben ein Interesse daran, dass der Denkmalschutz gewahrt bleibt“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Eigentlich kann das Land der Sprachschul-Chefin dankbar sein.

Denn als Barbara Jaeschke das Stadtbad Oderberger Straße im November 2011 gekauft hatte, beendete sie eine jahrzehntelange Debatte über die Zukunft des Bades. Anfang der 90er-Jahre hatten Anwohner und Unterstützer eine Genossenschaft gegründet , damit das Stadtbad endlich saniert wird und wieder als Schwimmbad genutzt werden kann. Sie kauften das marode Bad, der Senat sicherte eine Förderung in Höhe von fünf Millionen Euro zu, zahlte sie dann aber doch nicht. Die Genossen gaben das Stadtbad zurück an den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin.

Nun bemühte sich die Stiftung Denkmalschutz das Gebäude zu sanieren. An einer sicheren Finanzierung scheiterten aber auch die Denkmal-Experten. Schon damals interessierte sich Barbara Jaeschke für das Gebäude am Rande ihrer Sprachenschule. Sie braucht dringend mehr Unterkünfte für die jährlich etwa 6 000 Kursteilnehmer, die aus 25 Länder kommen.

Umbau nach Plan

Doch es gab weitere Interessenten, diese planten eine Wellness-Oase und ein Luxushotel. Am Ende überzeugte die Sprachschul-Chefin den Bezirk und den Senat von ihrem Plan, das Gebäude auf eigene Kosten zu sanieren und ein öffentliches Schwimmbad zu errichten.

Im Frühjahr 2014 wird nun die Fassade erneuert und die Stahlfenster werden aufgearbeitet. Der Umbau läuft nach Plan. 2015 soll das Stadtbad eröffnen. Nach 29 Jahren kann man im Becken des sanierten Bades dann wieder schwimmen.