Berlin - Es werden viele Gäste kommen und sie sollen nicht ewig warten: Weil die Betreiber des soeben sanierten Stadtbades Oderberger Straße in Prenzlauer Berg mit einem enormen Andrang rechnen, haben sie die Öffnungszeiten in den ersten beiden Wochen gleich erheblich verlängert.

In der Regel soll das Stadtbad, das nach 30 Jahren an diesem Montag zum ersten Mal wieder öffnet, etwa fünf Stunden am Tag für Badegäste aus dem Kiez geöffnet sein, und das an fünf Tagen in der Woche. In den kommenden zwei Wochen, ausgenommen das Wochenende, öffnet das Bad jedoch den ganzen Tag von 10 bis 22 Uhr.

„Es soll niemand stundenlang warten müssen“, sagt die Geschäftsführerin der benachbarten GLS-Sprachenschule in der Kastanienallee, Barbara Jaeschke.

Ort der Erinnerung

Mit ihrem Mann hat die Unternehmerin das marode Stadtbad 2011 gekauft und versprochen, es denkmalgerecht wiederherzurichten. Die beiden verpflichteten sich zudem, dass neben den Gästen des Hotels Oderberger auch Anwohner die frühere Volksbadeanstalt wieder nutzen können.

Seitdem ist das Interesse sehr groß. „Und es gibt viele Nachfragen“, sagt Barbara Jaeschke. Schon zu den wöchentlichen Führungen, die Hans-Dieter Jaeschke jeden Dienstag um 17 Uhr anbietet, kamen Tausende Besucher. „Viele erinnern sich an ihre Kindheit“, sagt Barbara Jaeschke.

Denn manche der übrig gebliebenen alteingesessenen Prenzlauer-Berg-Bewohner kamen früher oft zum Duschen und Baden ins Stadtbad. In den unsanierten Altbauten von Prenzlauer Berg gab es häufig keine Bäder. Andere Besucher erzählen, wie sie im Stadtbad schwimmen gelernt haben und sich mit Freunden trafen.

Höchstens 40 Badegäste zur gleichen Zeit

Die Chefin bittet die Gäste in der Startphase um Verständnis und Geduld. Womöglich werde am Anfang nicht alles ganz rund laufen, sagt sie. „Wir sind eben keine öffentliche Badeanstalt.“ Das Schwimmbecken ist nicht sehr groß: 20 Meter lang und zwölf Meter breit. Höchstens 40 Badegäste dürfen gleichzeitig baden.

„Es ist ein Kiezbad“, sagt Barbara Jaeschke. Die Mitarbeiter der Hotel-Rezeption übernehmen den Ticketverkauf und die Betreuung der Badegäste. Arbeiten gewöhnlich zwei Kollegen an der Rezeption, werden es in der Startphase des Bades vier sein.

30 Jahre dauerte die Trockenzeit. Manchmal glaubten selbst überzeugte Kiezaktivisten der früheren Genossenschaft, die das Stadtbad wieder in Betrieb nehmen wollte, sowie Lokalpolitiker nicht mehr daran, dass die einstige Volksbadeanstalt nach der Stilllegung im Jahr 1986 noch einmal eröffnen wird.

1991 gab es Pläne des Senats, das Bad für 45 Millionen D-Mark zu sanieren. 1994 wurden diese Pläne aufgegeben. Jahrelang suchten Bezirk und Senat nach interessierten Käufern und Investoren. Selbst die Stiftung Denkmalschutz, spezialisiert auf historische Bauten, scheiterte, ebenso eine Reihe von Investoren, die aus dem 1901 eröffneten Gebäude im Neo-Renaissance-Stil ein teures Hotel mit Spa machen wollten.

Versenkbares Becken

Zu diesem Zeitpunkt hatte Barbara Jaeschke schon das benachbarte frühere Schulgebäude in der Kastanienallee zur internationalen Sprachenschule umgebaut. Jährlich kommen 6 500 Kursteilnehmer aus mehr als 100 Ländern.

Das Stadtbad könne sich in den Campus passend einfügen, dachte Barbara Jaeschke und kaufte es 2010 vom Land Berlin. 2011 begann sie mit der Sanierung, die 18 Millionen Euro gekostet hat.

Anfang diesen Jahres eröffnete sie im sanierten Stadtbad das Vier-Sterne-Hotel Oderberger mit 70 Zimmern, fünf Turmsuiten und zwei Apartments. Überall finden die Gäste die Spuren des historischen Bades, alte Fliesen, eloxierte Metalltüren, Fenster und Mobiliar.

Auch das Schwimmbad mit seinen Gewölben, Fensterbögen und Verzierungen sieht nun wieder aus wie früher. Doch die Technik ist hochmodern, Umwälzpumpe und Belüftung sorgen für eine Wassertemperatur von 22 Grad, die Luft hat 24 Grad. Für Firmenfeiern,Präsentationen und Familienfeste wird der Boden des Schwimmbeckens nach oben gefahren, das Wasser gelangt über Luken in ein Becken unter dem Boden.

Im trocken gelegten Schwimmbad haben dann 800 Gäste Platz. Sowie kürzlich, als Audi dort seine neue Marke feierte.