Berlin - Ach, das klingt so gut und so schön korrekt. Berlins Behörden-Kugelschreiber der Zukunft muss folgende Eigenschaften aufweisen: Seine Miene sei in jedem Fall auswechselbar, heißt es in der neuen Verwaltungsvorschrift „Beschaffung und Umwelt“, die der Senat soeben beschloss. Sein Schaft wiederum bestehe wahlweise aus recycelfähigem Kunststoff oder aus dem bekanntlich nachwachsendem Rohstoff Holz oder aus dem selbst schon recycelten Werkstoff Hartpappe. So soll es sein, ab 2013.

Dass man auch mit nachhaltigem Schreibgerät für kurzfristig virulenten Unsinn sorgen kann, zeigt leider dieselbe Vorschrift. Denn so gut es klingt, wenn alles total öko zu sein hat, vom Beamer im Büro bis zum Benziner im Fuhrpark, so falsch ist doch die Beschränkung, dies alles erst ab 10.000 Euro pro Bestellung wirken zu lassen. Zuvor waren Wertgrenzen von 500 Euro bis ein Euro diskutiert – und dann leider verworfen worden. Und zwar ohne dass irgendein beteiligter Entscheider überhaupt weiß, ob die 10.000-Euro-Grenze sinnvoll ist.

Denn es weiß auch niemand, wie viel von den sagenhaften vier bis fünf Milliarden Euro an Beschaffungsausgaben (Jahr für Jahr nur in Berlin) tatsächlich die völlig willkürlich festgesetzte Grenze erreicht. Bürokratie soll sie verhindern, sagt die CDU, die sie durchgesetzt hat. Aber tut sie das? Leider unklar. Und sorgt denn nun jemand ernsthaft dafür, dass die, sagen wir, verwaltungsinterne Toilettenpapierversorgung mittels behördenübergreifender Massenbestellung abgewickelt wird?

Damit geschätzte 50.000 Rollen mit dem Blauen Engel (im Wert von 10.000 Euro) auf einmal beschafft werden können statt nur nach akutem Bedarf? Tja. Diese Fragen gab es schon im Frühjahr, als das Vergabegesetz angeblich ökologisiert wurde. Die Antworten dazu gibt es leider immer noch nicht.