Berlin - Wer hätte das gedacht? Tagesmütter oder auch Tagesväter, die zu Hause Kinder betreuen, gelten nun gleichzeitig auch noch als Leiter einer Großküche. Sie sind nämlich „Lebensmittelunternehmer“ und werden künftig genauso kontrolliert wie ein zugiger Döner-Imbiss oder eine Betriebskantine mit Papierblumen. So sieht es eine neue EU-Verordnung vor, die in Berlin zu Beginn des neuen Jahres in Kraft tritt. Weil Tagesmütter oder -väter für die ihnen anvertrauten Kinder auch das Mittagessen zubereiten, unterliegen sie nun strikten bis schikanösen Hygienevorschriften. Extra Handwaschbecken. Einmal-Handtücher. Thermometer zur Messung der Speisewärme. Fliegengitter vor dem Fenster und vieles mehr.

Diese üppige Liste an Vorgaben ist dazu geeignet, die Zahl der in Berlin tätigen Tagesmütter und -väter innerhalb kürzester Zeit empfindlich zu dezimieren. Genau das dürfte passieren, wenn die Leute der Lebensmittelaufsichtsämter die Vorgaben in bürokratisch-penibler Weise umsetzen würden ( „Wie? Sie haben vergessen zu dokumentieren, dass Sie den Boden heute geputzt haben?“). Das wäre fatal, zumal in den nächsten Jahren gerade für Kleinkinder Betreuungsplätze fehlen. Deshalb möchten wir an dieser Stelle an die Kontrolleure appellieren: Übertreibt es nicht, unterscheidet Wichtiges von Unwichtigem! Wo Kinder krabbeln und essen, soll kein Katzenklo stehen. Akribische Messungen von Speisewärme oder Kühlschranktemperaturen aber sollten nicht zum Hobby von Landesbediensteten ausarten. Und die viele Schreibarbeit, mit denen die Tagesväter und -mütter Speisenherstellung und Putzzeiten dokumentieren sollen, ist schikanös. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit sollten die Kinder stehen.