Stadtbild: Aus der Deckung

Da hat sich Frank Henkel einiges vorgenommen: Einen „breiten gesellschaftlichen Dialog über Werte“ wolle er anstoßen, lässt der Innensenator und Chef der Christdemokraten mitteilen. Und zwar um „der Gewalt in der Hauptstadt“ entgegenzutreten.

Anlass ist der Tod von Jonny K. am Alexanderplatz, der geprügelt und getreten wurde, bis er starb. Henkel will eine Debatte führen über sinkende Hemmschwellen, mehr Respekt füreinander, und „wie vor allem junge Menschen zurück in die Gesellschaft geholt werden können“.

Das sind große Themen, die es selbstverständlich verdient hätten, als Chefsache behandelt zu werden. Man darf zwar Zweifel daran haben, ob es Jugendlichen gemeinhin an Werten und deren Vermittlung fehlt oder nicht vielmehr an Perspektiven und dem Gefühl von Chancengleichheit. Zum Beispiel.

Aber für Kontroversen sind Debatten ja da. Nur wirkt der Innensenator derzeit allerdings nicht eben übermotiviert, was seine berufliche Schaffenskraft angeht. Henkel verwaltet bekanntlich eine sicherheitsbehördliche Dauerkrise, und dies mehr schlecht als recht: problematische Informationspolitik, unsouveräne Auftritte, parteipolitisches Cocooning.

Der Senator scheint ständig in der Deckung zu sein, er reagiert, laviert, retardiert. Bisher jedenfalls hat er keinerlei eigene Themen gesetzt, und manche seiner Klagen über die ewig nörgelnde Opposition im Ausschuss klingt bereits hart nach akuter Amtsmüdigkeit. Als ob ihn die unabweisbare Verantwortung in eine Art Angststarre versetzt.

Jetzt also immerhin der Hauch einer Initiative, die der Senator so dringend nötig hätte. Daraus kann etwas werden, wenn Henkel jene kommunikativen Qualitäten reanimiert, die ihn im Wahlkampf auszeichneten. Wenn nicht, dann überwindet die Union auch in Berlin nicht ihre Großstadtkrise.