Als Martha Liebermanns Dackel Frieda dem Gestapo-Mann in die Wade biss

Dackel Frieda ist ein Hauptdarsteller im Film „Martha Liebermann – Ein gestohlenes Leben“. Warum, sagen Drehbuchautor Marco Rossi und Regisseur Stefan Bühling.

Hier macht jemand ein Schläfchen auf dem bequemen Sessel – eines der Dackel-Gemälde von Max Liebermann.
Hier macht jemand ein Schläfchen auf dem bequemen Sessel – eines der Dackel-Gemälde von Max Liebermann.picture alliance/Artcolor

Dackel begleiten den Berliner Maler Max Liebermann (1847–1935) und seine Frau Martha (1857–1943) durch das Leben, waren stets präsent im Stadthaus am Pariser Platz direkt neben dem Brandenburger Tor oder auf dem Landsitz am Wannsee. Dem Künstler bedeuteten die Tiere viel, er malte und zeichnete sie häufig. Deshalb hat ein Dackel jetzt eine Hauptrolle im Film „Martha Liebermann – Ein gestohlenes Leben“, zu sehen in der ARD-Mediathek.

In der zu Teilen fiktiven filmischen Erzählung geht es um die letzten Tage und Wochen im Leben der jüdischen Malerwitwe im Jahr 1943. Die engmaschige Verfolgung und Bedrohung der Juden durch die Nationalsozialisten hatten auch Martha Liebermanns einst glückliches und gesellschaftlich glanzvolles Leben zum Martyrium gemacht. Mit Zunahme der rassistischen Repressionen konnte sie auch nicht mehr über ihr Vermögen verfügen, sollte ins Konzentrationslager deportiert werden. Ihr Suizid stoppte den teuflischen Plan.

Dackel gehörten zur Familie Liebermann

Thekla Carola Wied spielt im Film Martha Liebermann, an ihrer Seite ist die Dackelhündin Frieda. Frieda beißt einen Gestapo-Mann, der sie beim Betreten der Wohnung tritt, ins Bein. Martha Liebermann sagt im Film zu dem gebissenen Gestapo-Mann: „Wie kommen Sie dazu, diesen Hund wie einen Juden zu behandeln? Er ist wahrscheinlich reinrassiger als Sie.“

Der Regisseur des Films, Stefan Bühling, erklärt mir die Szene so: „Mit diesem Satz zeigt Martha ihrem Gegenüber deutlich, was sie von ihm hält. Fast schon ironisch wirkt es, wenn sie den Mann von der Gestapo mit dem Hund in Relation setzt und diesen im Rang – aus dessen Sicht – unter den Hund stellt: Nazis verhalten sich wie Tiere: vom Trieb oder vom Rudel gesteuert.“

Das Ziel der Nationalsozialisten, alle Juden zu vernichten, beinhaltete immer weitergehende Entrechtungen, sagt Marco Rossi, der Drehbuchautor. „Das hatte schließlich auch Auswirkungen auf die Haustiere der Juden. Sie mussten sie abgeben. Wie verachtungsvoll. Es fühlt sich an, als ob man sein eigenes Kind ausliefern muss.“

Stefan Bühling ergänzt: „Der Hund steht auch dafür, dass Frau Liebermann in ihren eigenen vier Wänden noch versucht, ihr eigenes Leben zu leben und es sich nicht von Verbrechern vorschreiben lässt.“ Weiter mache der Hund Martha Liebermanns Haltung zum Judenstern deutlich, so Stefan Bühling. „Sie ist nicht bereit, sich den Stern anzunähen, um mit dem Hund rauszugehen. Sie fragt lieber das Nachbarskind, welches Martha sehr zugetan ist. Hier sehen wir ein Beispiel dafür, dass nicht alle Deutschen den Nazis treu waren.“