Adventskalender von Hertha BSC: Highlight oder Mogelpackung? 

Als „Highlight“ vermarktet Hertha BSC seinen Adventskalender. Der Bundesligist nimmt seinen Mund da etwas zu voll, findet unser Kolumnist.

Adventskalender von Hertha BSC
Adventskalender von Hertha BSCHertha BSC

In ein paar Tagen ist es geschafft. Sobald die letzten Besorgungen erledigt sind, kann endlich für ein paar Tage Besinnlichkeit einströmen.

An Heiligabend endet dann auch ein 24-tägiger Running Gag mit meinem Adventskalender. Der wurde mir Ende November überreicht, nicht ganz ernst gemeint zwar, aber auch nicht völlig aus der Luft gegriffen bei einem ehemaligen Dauerkarten-Besitzer. Der Kalender misst circa 35 mal 25 Zentimeter und ist überwiegend in Dunkelblau gefärbt. Oben lacht ein Bär, unten prangt der Schlachtruf in Großbuchstaben: HAHOHE HERTHA BSC.

Es handelt sich – das zu erwähnen ist nicht ehrenrührig – um eine eher günstige Ausführung im Adventskalender-Segment. Der Fußball-Bundesligist nimmt den Mund allerdings Berlin-like etwas voller als nötig und bewirbt den Kalender im Fanshop als „Adventshighlight“.

Wenn man die Festtage kaum abwarten könne, sei „so eine kleine tägliche Überraschung eine nette Abwechslung“. Wenn dieser Kalender eines nicht ist, dann überraschend. In unterschiedlichen Ausführungen liegt er baugleich an fast jeder Supermarktkasse, mal mit Comic-, mal mit Disneyfiguren bedruckt. Eines ist niemals ein Geheimnis, ganz egal, in welcher Aufmachung der Kalender daherkommt: Was man hinter jeder der 24 Klappen erwarten darf, ist ein schnödes Stück Schokolade.

Dagegen ist nichts zu sagen, die Schokolade schmeckt nicht schlecht, ist Fairtrade und die fünf Gramm, die ein Stück pro Tag auf die Küchenwaage bringt, dürften gegen die wenigsten Diäten verstoßen. Schnörkellos, kein Firlefanz – so ließe sich eine Parallele ziehen zu dem, was die zum Kalender gehörige Mannschaft auf den Platz bringt. Es geht aber auch anders: gar keine Abwechslung, nur lieblose Biederkeit, im blauen Kalender wie auf dem grünen Rasen. So gleicht das Kläppchen-Öffnen dem Stadionbesuch. Statt mit Erwartungen oder Vorfreude folgt man dem Ablauf aus Gewohnheit.

Ein jeder Schokoklotz hat die Form eines Halbkreises mit einer glatten Fläche hinten. Würde man zwei Stücke Rücken an Rücken legen, könnte fast ein Fußball entstehen, eine Kugel aber ganz bestimmt. Allein die Folie, in die die einzelnen Schokostückchen eingewickelt sind, unterscheidet sich tagweise leicht voneinander, mal ist das Papier silber-, mal goldfarben, mal ist ein Fußball darauf abgebildet, ein anderes Mal ein Wimpel. Beim Öffnen des fünften Türchens ist übrigens die Papp-Klappe abgerissen, wobei sie fast die daneben beheimatete 24 beschädigt und den Blick freigegeben hätte auf das, was sich dahinter verbirgt.

Um Himmels willen! Hier wie im Stadion will man am Fünkchen Hoffnung festhalten, dass dieser Verein einen doch noch überrascht.