Berlin - Der rot-schwarze Senat versucht gerade ein seltsames Spiel mit seinen Lehrern zu spielen: Was vor zehn Jahren noch als Überstunde galt, soll plötzlich ganz normale Arbeitszeit sein. Deshalb haben SPD und CDU in den Koalitionsvertrag hineingeschrieben, dass die Arbeitszeitkonten für Lehrer aufgelöst werden sollen.

Dabei waren diese Konten vor zehn Jahren als Ausgleich dafür eingeführt worden, dass die Arbeitszeit der Lehrer erhöht wurde und zugleich die Altersermäßigung wegfiel. Wer Arbeitszeit auf dem Konto angespart hatte, konnte etwa früher in Rente gehen.

Jetzt aber wird gerade eine neue Lehrergeneration eingestellt. Da versucht der Senat so zu tun, als sei die damals nur unter massiven Protesten (Schulsenator Klaus Böger galt fortan als „Betröger“) durchgesetzte Arbeitszeiterhöhung heute ganz normal. Man ist geneigt zu sagen, die angestellten Junglehrer sollen für dumm verkauft werden. Jene Passage des Koalitionsvertrages ist für die Schulverwaltung deshalb sehr heikel.

Denn letztlich wird sich in dieser Frage entscheiden, mit welcher Motivation die reformmüde Lehrerschaft die neuesten bildungspolitischen Ambitionen des Senats umsetzt. Sei es die Inklusion von Schülern mit Behinderungen oder eine wirksame Sprachförderung. Das wird nichts, wenn die Lehrer sich vor allem darin einig sind, dass ihr Arbeitgeber – das Land Berlin – sie schlecht behandelt. Ein solcher Arbeitgeber sollte mit offenen Karten spielen und sich an getroffene Regelungen halten.

Es sei daran erinnert, dass die Politik damals das Pferd von hinten aufgezäumt hat. Erst erhöhte man die Arbeitszeit, danach führte man allerlei belastende Schulreformen durch und erst ganz zum Schluss machte man sich daran, die Lehrerausbildung den verschiedenen Reformen anzupassen. Heute sollte der Senat es besser wissen.