Berlin - Der schöne Plan ist nicht ganz aufgegangen. Die Sozialdemokraten wollten sich endlich mal um "mittelfristige Perspektiven" kümmern, hatte SPD-Fraktionschef Raed Saleh in Kolberg gesagt. Aber die Krisen der Vergangenheit bleiben, was sie sind: dauerhaft. Sie stören den Versuch, auch mal durchzuatmen.

Die S-Bahn-Ausschreibung, erst im vorigen Jahr auf den Weg gebracht, gerät plötzlich ins Stocken. So sehr, dass sich die Parteispitzen zur Beratung zurückziehen mussten. Es sei zu befürchten, sagte ein Fraktionär, dass es für die S-Bahn in den kommenden zehn Jahren keine gute Lösung gibt. Vom Flughafen BER werden vorerst keine Erfolgsmeldungen zu berichten sein. Auch den steigenden Mieten und der Armut in der Stadt ist nicht mit einer markigen Resolution zu begegnen, sondern nur mit anstrengender und nicht immer belohnter politischer Schwerstarbeit.

SPD widmet sich nur den guten Dingen

Vielleicht war der Anteil an aufmunterndem Selbstlob während der SPD-Klausur ja deshalb so hoch. Einen ganzen Vormittag widmete man den guten Dingen: Viele tolle Kitas, viele tolle Touristen, viele tolle Wissenschaftler – und immer ist die SPD verantwortlich. Darauf könne man stolz sein, gab Parteichef Jan Stöß bekannt.

Und keiner der Redner, ob Genosse oder Geladener, ließ die Gelegenheit aus, Klaus Wowereit zu preisen. Der Senatschef, sagte etwa Tourismus-Mann Burkhard Kieker, sei eine der bedeutendsten Bürgermeister-Ikonen der Welt. Das habe man ihm in Chicago gesagt. Der Angesprochene lächelte mild, die Genossen jubelten.

Dass auch die chronischen Krisen der Stadt mit dem Handeln und mit Versäumnissen der SPD zu tun haben, liegt auf der Hand. Die neue Führungsspitze mit Saleh und Stöß mag es leichter fallen, damit umzugehen. Diese Wahlperiode wird zeigen, ob sie für diese Schwerstarbeit die richtigen sind.