Berlin - Die Indizien verdichten sich, bald dürfte es Gewissheit sein: Das Schloss in Berlins Mitte wird teurer, jedenfalls für den Steuerzahler. Denn für den Nachbau der Barockfassade kommen erwartbarerweise nicht genug Spenden zusammen. 80 Millionen Euro sollten es werden, hieß es von den Wiederaufbau-Freunden um Wilhelm von Boddien.

Fraglich war dabei immer, ob das Geld überhaupt ausreicht, um Skulpturen und Schmuck-Schnickschnack nachzubasteln beziehungsweise die wenigen originalen Teile hinein zu komponieren.

Reicht das Geld nicht, dann wird es sicher keinen grauen Sichtbeton mit vorgebohrten Löchern geben, um jede weitere ausfinanzierte Sandsteinranke fix ans Haus zu dübeln. Sondern die öffentliche Hand wird es zu finanzieren haben. Sie muss es jetzt schon, denn die Fassade will ja vorbereitet werden.

Natürlich sammeln die Schloss-Freunde weiter, zu den gut 20 Millionen Euro, die zumindest schon versprochen sind, kommen so sicher auch noch ein paar weitere hinzu. Aber wie gigantisch – und dadurch letztlich selbstbetrügerisch – die proklamierte Summe ist, wird beim gern bemühten Vergleich mit dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche klar.

Die Frauenkirche war ein fast durchweg begeistert aufgenommenes, weit über Stadt und Land hinaus strahlendes Projekt mit einer fulminanten Wirkung an Ort und Stelle. Für die Frauenkirche kamen aus aller Welt 115 Millionen Euro aus Spenden zusammen. Das ist sehr viel. Fürs Berliner Stadtschloss, das weder architektonisch noch symbolisch mithalten kann, wäre eine Summe dieser Größenordnung undenkbar.