Berlin - Wir nehmen also zur Kenntnis, dass gegen Michael Braun (CDU), Senator für zwölf Tage und nach eigenen Beteuerungen ahnungsloser Notar bei betrügerischen Immobilienverkäufen, straf- sowie dienstrechtlich wohl nicht vorgegangen wird, weil es keine Hinweise auf Verschulden gibt.

Wir hätten Herrn Braun, der seine Vorab-Entlastung durch das Landgericht inzwischen als Rehabilitation präsentiert, gern selbst befragt. Er verweist aber aufs Gericht und lässt weitere Erkundigungen ohne Antwort. Was nicht verwundern muss, denn der Ton von Kommentierung und Verteidigung war zwischendurch scharf. Sehr scharf.

Wir bitten daher Herrn Braun schlicht zur Kenntnis zu nehmen, dass wir nach wie vor Fragen haben. Zum Beispiel die nach dem Ausmaß seiner Rufschädigung. Er beklagt ausführlich, wie schwer es für ihn war, das Vertrauen von Mandanten zurückzugewinnen und seine Kanzlei wieder zum Laufen zu bringen.

Das ist glaubhaft – und im Übrigen verdichten sich auch die Hinweise, dass etliche der sogenannten Verbraucherschutzanwälte, die Braun damals angriffen, ebenfalls mit üblen Methoden arbeiten und den bereits einmal abgezockten Betroffenen gerade nicht helfen.

Aber genau hier liegt das Empörungspotenzial: Denn die „Schrottimmobilen-Affäre“ handelt keineswegs in erster Linie vom Opferstatus rufgeschädigter Kudamm-Kanzlisten mit Anspruch auf Übergangsgeld. Sie handelt von ahnungslosen Normalverdienern und ihren Familien, die dauerhaft in den Ruin gestürzt wurden. Zu diesen Kunden auch seiner Kanzlei ist Braun in seiner aktuellen Nachbetrachtung bislang nichts eingefallen.