Stadtbild: Die Jobcenter haben immer noch nichts gelernt

Berlin - Im Januar jährt sich mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe die Einführung von Hartz IV zum zehnten Mal. Zehn Jahre Hartz IV – und immer noch nichts gelernt, möchte man den Sachbearbeitern in den Jobcentern zurufen. Insgesamt 190.230 Klagen (Stand: Ende 2013) gingen seit dem Jahr 2005 vor dem Berliner Sozialgericht ein, weil die Klienten der Jobcenter Bescheide anfochten. Oftmals mit Erfolg.

Zwar ist bei den Verfahren ein Rückgang zu verzeichnen, aber ihre Zahl ist immer noch viel zu hoch. Schließlich hätte oft ein Gespräch ausgereicht, um den Konflikt zu entschärfen. Dass sich viele Hartz IV-Empfänger mit der komplexen Sozialgesetzgebung nicht auskennen, ist ihnen nicht zu verdenken. Auch den Sachbearbeitern können Fehler unterlaufen, niemand erwartet von ihnen, jedes Detail zu kennen. Und klar, die Personalsituation ist bestimmt auch angespannt.

Vorwerfen muss man ihnen einen Mangel an Empathie gegenüber Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Viele Entscheidungen jedenfalls sind nur mit Lust an der Schikane zu erklären. Es ist eine Form des Machtmissbrauchs, wenn etwa eine Mutter mitteilen muss, wohin die Klassenfahrt ihres Sohnes führt, um eine Übernahme der Kosten zu erreichen. Und weshalb muss jeder Klient nach einem Umzug in einen anderen Bezirk seine gesamten Unterlagen zusammen sammeln und neu einreichen? Die Post wurde bereits in der Antike erfunden.

In Sachen Kundenfreundlichkeit stehen die Jobcenter noch ganz am Anfang. In Friedrichshain-Kreuzberg hat das Jobcenter im vergangenen Jahr als bisher einziges einen (!) Ombudsmann eingestellt, der in Streitfragen vermitteln soll. Und feiert diese Selbstverständlichkeit als Erfolg. Dieses Jahr wurde die Stelle sogar verlängert.