Berlin - In Berlin besuchen Kinder ab dem fünften oder sechsten Lebensjahr eine Grundschule, andere Möglichkeiten gibt es nicht. Doch längst sieht es so aus, als hätten sich in den Innenstadtbezirken zwei Schultypen herausgebildet: die Grundschulen für die Mittelschichtkinder und die Grundschulen für die Kinder von Familien, in denen zu Hause kaum Bücher gelesen werden und oft auch nicht Deutsch gesprochen wird. Vulgo: Grundschulen für die Unterschicht.

Eine Erhebung hat diesen seit Jahren anhaltenden Trend bestätigt. Weil viele von Abstiegsängsten geplagte Mittelschichteltern die beste Schule für ihr Kind finden wollen, meiden sie Schulen, die augenscheinlich von besonders vielen Zuwanderern besucht werden. Dafür ist vielen Eltern fast jedes Mittel recht, auch aufstiegsorientierten Migranteneltern. Diese Brutpflege ist menschlich, schadet aber sozial schwächeren Kindern. Sie bleiben schon in jungen Jahren unter sich, mit keiner guten Perspektive für den weiteren Lebensweg.

Hier muss sich etwas ändern. Das aber geht nur, wenn die Unterrichtsqualität an Grundschulen in schwierigen Quartieren gut ist. Dafür sind Schulleitung und Lehrer verantwortlich. Doch die sind längst zusätzlich noch als Sozialarbeiter gefordert. Schulen, die zu scheitern drohen, brauchen deshalb auch noch mehr Unterstützung von der Verwaltung. Es muss Anreize geben, damit die besten Lehrer sich dort engagieren. Und Eltern sollten sich jede Schule genau angucken, nicht nur auf den Migrantenanteil achten.