Berlin - Es ist eine erschreckende Nachricht: In Berlin beging zwischen 2008 und 2012 ein Asylbewerber in Abschiebehaft Selbstmord, zehn weitere versuchten sich umzubringen und 23 verletzten sich selbst. Das ergab eine Anfrage der Piraten im Abgeordnetenhaus. In nur vier Jahren waren im Abschiebegewahrsam in Köpenick also 34 Menschen so verzweifelt, dass sie offenbar den Tod dem Leben vorzogen.

Abschiebehaft ist keine Strafe, sondern ein Verwaltungsakt. Die Menschen haben nichts verbrochen. Die Haft soll schlicht die Ausreise von Asylsuchenden sicherstellen. Oder wie es auf der Homepage der Berliner Polizei heißt: „Im Abschiebegewahrsam werden Personen betreut, denen durch einen richterlichen Beschluss zur Sicherung und Vorbereitung der Abschiebung die Freiheit entzogen wurde.“

Gewahrsam wird der Ort genannt, an dem Flüchtlinge eingesperrt werden. Aber es ist ein Gefängnis, die Fenster sind vergittert, die Türen haben keine Griffe, die Mauern sind mit Stacheldraht befestigt. Schwangere werden inhaftiert, Eltern ohne ihre Kinder, Kinder ohne ihre Eltern, Kranke, Traumatisierte. 18 Monate lang kann Abschiebehaft dauern. Da bleibt den Flüchtlingen viel Zeit sich auszumalen, welcher Art ihre ungewisse Zukunft sein wird. Wie zynisch ist es da, von Betreuung zu sprechen.

Was der Mensch nicht kennt, das macht ihm Angst. Eine natürliche Reaktion darauf ist Flucht. Vor zehn Jahren gab es im Monat Januar fast täglich Selbstmordversuche im Abschiebegefängnis Köpenick. Manche der Menschen wurden entlassen, andere später in Isolationshaft gesteckt, wo sie sich erneut verletzten. Ein Selbstmordversuch in Abschiebehaft soll nicht in den Tod führen, sondern in die Freiheit. In die kehren die Flüchtlinge möglicherweise schwer beschädigt zurück. Das reicht, um die Flüchtlingspolitik in Berlin zu überdenken.