Berlin - Wie macht man aus einem Appel und ’nem Ei in vier Jahren viele Millionen Euro? Ganz einfach: Man kauft günstig Grundstücke von einem früheren Staatsunternehmen und versucht, das größtmögliche aus den Flächen herauszuholen – egal, ob das der Kommune und ihren Bewohnern passt.

So geschehen im Fall der Schmargendorfer Gartenkolonie Oeynhausen, die 2008 mit bundesweit rund 1 300 Grundstücken von der Post an die Lorac, eine Tochter des US-Finanzinvestors Lone Star, verscherbelt wurde. Der Deal hat den Aktionären des einstigen Bundesunternehmens eine Milliarde Euro eingebracht. Was Lorac inzwischen mit dem Gesamt-Paket verdiente, ist unbekannt. Klar ist aber, welchen Profit das Unternehmen mit Oeynhausen machen will: Es plant auf dem Gartenland teure Wohnungen.

In Schmargendorf kostet der Quadratmeter Bauland 560 Euro, abzüglich der Erschließungskosten wäre damit das für lediglich 598 498 Euro erworbene ehemalige Staatsgrundstück etwa 25 Millionen Euro wert. Weil der Bezirk die Laubenpieper nicht davonjagen will, hat Lorac vorsorglich eine Schadensersatz-Klage angedroht: 50 Millionen Euro will sich das Unternehmen erstreiten, wenn es nicht bauen darf, hieß es am Donnerstag im Bezirksparlament.

Noch wird in Charlottenburg-Wilmersdorf versucht, die Parzellen zu retten. Denn das Grün wird in der hoch verdichteten westlichen Innenstadt gebraucht – als Erholungsraum, aber auch für das Stadtklima und als Lebensraum vieler Tiere. Doch die Rettung schafft der Bezirk nicht allein. Er braucht Rückendeckung durch den Finanzsenator, der das Prozessrisiko absichern müsste. Aber der weigert sich bisher. So kann es passieren, dass eine Heuschrecke gegen Berliner Interessen den großen Reibach macht.