Berlin - Hoher Migrantenanteil und Schule: Fallen diese beiden Begriffe in einem Satz, geht es eigentlich immer um Probleme. Um mangelnde Deutschkenntnisse, schwache Leistungen, hohe Schulabbrecherquoten, desinteressierte Eltern. Oft auch um Aggression und Gewalt. Deswegen ist die in Wedding geborene Idee von einer freien Bürgerschule, die sich um alle Schüler so intensiv kümmert, dass niemand sie ohne Abschluss verlässt, fast zu schön, um wahr zu werden. In jedem Fall ist sie ein wunderbares Hoffnungszeichen. Schon jetzt.

Denn sie ist eine Gemeinschaftsinitiative von mehr als 40 Gruppen, die rund 15.000 Menschen repräsentieren. Menschen, die sich in Religionsgemeinschaften, Vereinen, Nachbarschaftstreffs engagieren. Menschen unterschiedlichster sozialer und nationaler Herkunft. 2008 haben die Aktiven unter ihnen die Bürgerplattform Wedding-Moabit gegründet, eine von dreien in Berlin. Ihre Idee ist kein Schnellschuss. Sie ist das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses teils durchaus erfahrener Organisationsprofis. Und sie ist ein Beleg dafür, dass bürgerschaftliches Engagement auch in Problemkiezen wachsen kann.

Es wäre schade, wenn die Idee an fehlenden Spendengeldern scheitert. Noch schlimmer wäre es, wenn sie an einem Veto der Schulverwaltung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zugrunde geht. Natürlich könnte eine solche Bürgerschule, an der sich alle Beteiligten – Lehrer und Eltern – vorbildlich engagieren, die Schülerzusammensetzung an umliegenden staatlichen Schulen verschlechtern. Sie könnte aber auch – wenn sie funktioniert – wertvolle Impulse liefern weit über ihr direktes Umfeld hinaus, auch für die staatliche Schulorganisation. Und sie könnte beweisen, dass die Kombination der Begriffe hoher Migrantenanteil und Schule nicht zwangsweise ein Problem benennen muss.