In den Agenturen reiht sich eine traurige Meldung nach der anderen: „Blutbad in Neukölln“, „Frauenleiche in Hohenschönhausen“, „Baby in Treptow schwer misshandelt“, „Jugendliche stoßen Mann Treppe herab“. Das ist auch Ostern in Berlin, gar nicht feierlich. Warum diese Ballung der Gewalt? Was ist los in der Stadt? Wie gefährlich ist Berlin eigentlich?

Es ist erst einen Monat her, dass der 18 Jahre alte Jusef El-A. erstochen wurde. Nun wurde der 22 Jahre alte Burak B. mit einem Kopfschuss getötet, wieder in Neukölln, wieder ein Einwandererkind. Gibt es einen rechtsradikalen Hintergrund? Nach den Hinrichtungen von Einwanderern durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) kann und darf die Polizei jetzt nichts mehr ausschließen. Sie sollte auch nicht voreilig von einer Beziehungstat ausgehen. Das sollte die Lehre aus den NSU-Ermittlungspannen sein.

Kaum ein Wochenende vergeht, an dem nicht Fahrgäste in Bus oder Bahn verprügelt werden. Es reicht, kein Feuerzeug dabei zu haben, um mit einem Schädelbruch im Krankenhaus zu enden. Woran liegt die Regellosigkeit, die geringe Hemmschwelle zuzuhauen? Woran das liegt, welche tieferen gesellschaftlichen Ursachen das hat, darüber redet kaum jemand.

Die Statistik gibt nur begrenzt Antworten. Die aktuellen offiziellen Zahlen stammen von 2010. 122 Fälle von Mord und Totschlag wurden damals registriert, das waren 34 Fälle weniger als im Vorjahr. Im Rückblick scheint 2010 ein friedliches Jahr gewesen zu sein, denn 2011 ging die Zahl der Fälle von Mord- und Totschlag vorläufigen Schätzungen zufolge wieder nach oben. Bei Vergehen wie Körperverletzung versichern die Behörden, dass die Fallzahlen seit Jahren rückläufig sind. Doch das Gefühl ist anders.