Berlin - Für die Mieter ist es eine gute Entscheidung, selbst wenn sie noch nicht rechtskräftig ist. Das Landgericht Berlin hat einer Charlottenburger Familie mit drei Kindern Schadensersatz für den Fall zuerkannt, dass eines ihrer Kinder an den Spätfolgen einer unsachgemäßen Asbestbeseitigung in ihrer Wohnung erkranken sollte.

Gut ist die Entscheidung, weil die Richter im konkreten Fall nicht abwarten wollten, bis eine Erkrankung ausgebrochen ist. Zugleich stärkt das Urteil alle Mieter, die in einer ähnlichen Situation sind. Denn die Vermieter sind gewarnt: Sie müssen dafür Sorge tragen, dass asbesthaltige Bauteile so sorgfältig entfernt werden, dass die Gesundheit ihrer Mieter nicht gefährdet ist. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Leider zeigt das Beispiel der Charlottenburger Familie, dass im Umgang mit Asbest immer noch Fehler gemacht werden.

Ein guter Schritt

Was verwundert, ist die Tatsache, dass der Vermieter, die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag den Richterspruch nicht anerkennen möchte, sondern Revision einlegen will. Von einer landeseigenen Gesellschaft ist zu erwarten, dass sie mehr Verantwortungsgefühl zeigt. Reicht es nicht, dass die Eltern ihr Leben lang in Sorge sein müssen, ob ihre Kinder wegen der stümperhaften Asbestbeseitigung an Krebs erkranken? Angemessen wäre es, wenn die Gewobag die Entscheidung in Demut akzeptiert und alles unternimmt, um in Zukunft ähnliche Vorfälle zu vermeiden.

Immerhin: Die Gewobag hat ihre Mieter im vergangenen Jahr zum Thema Asbest informiert. Das war ein guter Schritt – auch, um einer Hysterie vorzubeugen. Denn asbesthaltige Platten in Wohnungen sind erst dann gefährlich, wenn sie beschädigt werden. Das sollte jeder wissen. Nur wenn die Gefahren bekannt sind, lassen sich unnötige Risiken vermeiden.