Berlin - Oje, das wird hart für die Fahrgäste! Der S-Bahn-Tunnel wird gesperrt, und zwar für dreieinhalb Monate. Das ist ein Grund zum Klagen, denn für viele Berliner werden die täglichen Wege zur Arbeit, die Shopping-Touren zum Potsdamer Platz und die abendliche Fahrten ins Theater länger dauern als heute.

Doch, so kalt es auch klingt: Bauarbeiten sind immer noch besser als keine Bauarbeiten. Wenn Strecken und Bahnhöfe erneuert, Sicherungssysteme und Schienenschmierapparate (gegen den Lärm) ausgetauscht werden, ist das gut. Auf jeden Fall ist es besser, als die Anlagen über Jahrzehnte hinweg vergammeln zu lassen. So wie in London oder New York, wo Züge auf ausgeleierten Gleisen durch Tunnel schaukeln, die seit ihrer Eröffnung im vorvorigen Jahrhundert keine Bauarbeiter mehr gesehen haben.

Wer sich in der Welt des Schienenverkehrs auskennt, der weiß, dass das Problem nicht darin besteht, dass es zu viele Instandsetzungsmaßnahmen gibt. Sondern zuweilen zu wenig – was sich zum Beispiel auch in Berlin am Zustand mancher Brücken oder an Langsamfahrstellen zeigt. Zu Recht wird kritisiert, dass Deutschland nicht genug unternimmt, um Verkehrswege auf einem halbwegs neuen Stand zu halten. Die Zwölf-Millionen-Euro-Investition, die nun bei der S-Bahn ansteht, muss sein.

Die Probleme liegen woanders. Zum Beispiel darin, dass die BVG auf den wichtigsten Ausweichrouten keine zusätzlichen U-Bahnen einsetzen kann – weil ihr schlicht und einfach die Wagen fehlen. Unter dem früheren Finanzsenator Nußbaum, der Vorsitzender des Aufsichtsrats war, lautete die Vorgabe: Investiert wird nur ins Allernötigste! Strategisch wurde kaum gedacht, obwohl die Einwohnerzahl schon damals zu wachsen begann. Das ist der Skandal – und nicht, dass der S-Bahn-Tunnel saniert wird.