Berlin - Zu lange hat kaum jemand auf die Berliner Kitas geschaut. Nicht wenige dieser Einrichtungen galten als geschlossene Orte, an denen Kinder aufbewahrt wurden, bis die Eltern sie wieder abholten. Dass Kitas auch einen umfassenden Bildungsauftrag haben, gilt erst seit ein paar Jahren. Seitdem sind Kitas Orte, an denen Kinder spielerisch die Welt kennenlernen sollen. Dazu gibt es eigens ein Berliner Bildungsprogramm.

Das wird nun noch ergänzt: Die Kitas sollen mehr Wert darauf legen, dass die Kinder ihr Sprachvermögen ausbilden. In alltäglichen Situationen – etwa beim Schuhe anziehen – soll die Erzieherin die Dinge beim Namen nennen, damit die Kinder bisher unbekannte Worte kennenlernen. Tatsächlich haben heute selbst viele Grundschulkinder noch Sprachprobleme.

Auch die Rolle der Erzieherin hat sich stark gewandelt: Sie ordnet nicht einfach an, was die Kinder zu tun haben. Sie beobachtet die Kleinen jetzt viel genauer beim Spielen. Macht sich Notizen über die Eigenheiten eines jeden Kindes. Dokumentiert mit dem Sprachlerntagebuch die kindliche Entwicklung. Spricht mit den Eltern. Bestenfalls werden die Kinder viel stärker einbezogen in das Kita-Leben. Der Sportkindergarten Berkenbrücker Steig in Lichtenberg etwa lässt Kinder selbst darüber entscheiden, was für ein Essen mittags auf den Tisch kommt. Nebeneffekt: Kinder lernen so allerlei Gemüsepflanzen kennen.

Die vielen Veränderungen in den Kitas werden nun auch von eigens geschulten, externen Kommissionen vor Ort überprüft. 600 der 2 200 Berliner Kitas sind auf diese Weise schon getestet worden. Anders als die Schulinspektionsberichte werden die Befunde aber nur intern ausgewertet, nicht ins Internet gestellt. Ein erstes Zwischenergebnis: Häufig müssten Erzieher noch viel stärker auf die Kinder zugehen.

Kita-Erzieher erfahren endlich die öffentliche Aufmerksamkeit, die sie schon lange verdienen. Schließlich sind sie durchaus prägend für kleine Kinder. Allerdings steigen damit zwangsläufig die Anforderungen an die Erzieherinnen selbst.