Berlin - Auf dem Tempelhofer Feld reicht der Blick so weit in die Ferne, dass manchem Besucher im ersten Moment die Augen schmerzen. Der Himmel erscheint unendlich, so eine Distanz ist das Großstadtauge nicht gewohnt. Jedes Wochenende vergnügen sich tausende Besucher auf der 303 Hektar großen Freifläche des früheren Flugplatzes, beim Drachensteigen, Fußballspielen, Grillen, Kleingärtnern, Joggen, Radfahren, Skaten und im Gras liegen. Ein friedliches Bild. Und Platz haben dort alle.

Die Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld möchte das einstige Flughafen-Areal genauso erhalten, wie es ist, in seiner gesamten Größe. Das Wiesenmeer sei einmalig, das Gelände ein einzigartiger Ort in unserer dicht besiedelten Stadt. Die Initiative bereitet einen Volksentscheid vor. Der Senat bereitet sich auch vor, und er präsentiert nun eine Studie, wonach ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von fast 300 Millionen Euro entstehen würde, bliebe das Feld komplett unbebaut.

Oase ohne Lärm

Noch gibt es nicht einmal konkrete Baupläne. Das Gutachten im Auftrag des Senats begründet die Summe mit genau jenen großstadttypischen Phänomenen, die das Leben in der Metropole oft so anstrengend, ungesund und gefährlich machen: Lärm, Verkehrsunfälle, Zeitverlust, Schadstoffe, CO2-Emissionen. Das alles käme, würde statt in Tempelhof anderswo gebaut.

Das Gutachten im Auftrag des Senats liefert damit allerdings auch genau jene Argumente, die dafür sprechen, den Park in seiner gesamten Größe als Erholungsfläche zu erhalten: Denn gerade das Tempelhofer Feld steht wie kein anderer Park der Stadt für eine Oase ohne Lärm, ohne Hektik, ohne Schadstoffe, ohne CO2. Genau deshalb sollte es so bleiben wie es ist. Ein Ort der Entschleunigung.