Berlin - Das hätte man den protestierenden Flüchtlingen am Brandenburger Tor gleich sagen können, dass sie am falschen Ort sitzen. Denn das Umfeld des Tores ist bekanntlich seit Jahren Gewerbegebiet, in dem man Zelte, Bühnen, Laufstege aufbauen darf – wenn man Geld hat. Gebührenfreie Zelte für frierende Flüchtlinge sind nicht vorgesehen, das ergibt sich aus der Preisliste, schwarz auf weiß. Überhaupt ist nach den Buchstaben der Gesetze alles lupenrein korrekt, was Senat, Bezirk und Polizei an behördlichen Maßnahmen exekutiert haben.

Sogar Regenschirme haben unsere gesetzestreuen Polizisten den im Regen zitternden Protestierern weggenommen, und die CDU hat flankierend gerufen, man sei nicht dazu da, es demonstrierenden Asylbewerbern bequem zu machen. Da kann man mit Zustimmung vom rechten Rand rechnen.

Anders gesagt: selten gab es in Berlin einen Ort, der solche Eiseskälte ausgestrahlt hat wie dieser Platz am Tor in den vergangenen Wochen. Nicht der Herbsttemperaturen wegen, sondern der geschäftsmäßigen politischen und behördlichen Kälte gegenüber Menschen, die mit Verzweiflung für eine menschenwürdige Behandlung kämpfen. Erst in letzter Minute entwickelten der Bezirk und die Integrationspolitikerinnen Kolat und Böhmer so etwas wie Herz. Und finden viele Anliegen der Protestierer jetzt sogar berechtigt.

Das hätte man auch schneller haben können. Aber zu nichtzahlenden Gästen ist die Stadt eben nicht so weltoffen wie es der Regierende behauptet.