Berlin - Der Senat wollte es so. Lehrer sollten keine Beamte mehr sein, sondern Angestellte wie ein Großteil der sonst arbeitenden Bevölkerung auch. Eine nachvollziehbare Entscheidung, die da vor bald zehn Jahren getroffen wurde. Zumal das Land so künftig Pensionszahlungen für Beamte spart. Der Senat hat allerdings dabei in Kauf genommen, dass eine gewichtige Gruppe von Landesbediensteten fortan regelrechte Arbeitskämpfe mit dem Land austragen kann.

Die Angestellten werden zu schlechteren Konditionen beschäftigt als ihre verbeamteten Kollegen. Dafür können sie sich mehr herausnehmen. Im Zusammenspiel mit ihrer Gewerkschaft dürfen sie für ihre Anliegen streiken, während Beamte bei einem Streik sofort ein Disziplinarverfahren aufgebrummt bekämen. Der Lehrer ist also arbeitsrechtlich zum mündigen Bürger geworden.

Da Berlin seit 2004 nicht mehr verbeamtet, werden die angestellten Lehrer zudem immer mehr. Wenn all diese Pädagogen auf einmal ihre Schulen bestreikten, dann wäre der staatliche Schulbetrieb tagelang gelähmt. Nichts ginge mehr, höchstens könnte man alle verfügbaren Vertretungslehrer mit teils zweifelhafter Qualifikation auf einmal in die Schulen schicken.

Die angestellten Lehrer haben also das Potenzial, so etwas wie die Fluglotsen oder die Lokführer zu werden. Wenn deren Gewerkschaften zum Streik aufrufen, herrscht Chaos auf den Flughäfen, dann ist der Schienenverkehr lahm gelegt. Denn kaum jemand kann einfach für sie einspringen. So ähnlich ist es bei den Lehrern, die derzeit auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind. Sie könnten also in den nächsten Jahren ihre Arbeitsbedingungen erheblich verbessern. Allein Elternunmut, der sich gegen allzu viele Arbeitskämpfe an Schulen richtet, könnte sie stoppen. Oder ernsthafte Angebote des Senats.