Berlin - Über Heinersdorf erfährt man nur selten was, es passiert dort nicht so viel Berichtenswertes wie in anderen Vierteln. Kreuzberg und Heinersdorf, das sind zwei Welten in einer Stadt.

Die letzten wichtigen Nachrichten aus Heinersdorf gab es vor sieben Jahren, als die Bewohner dort gegen den Bau einer Moschee protestierten. Sie fürchteten, Islamisten könnten bald ihren Stadtteil regieren und in der Moschee würden Terroristen ausgebildet. Verschwörungstheorien entstanden und die Rechten mischten kräftig mit.

Jetzt gibt es wieder Proteste in Heinersdorf. Diesmal richtet sich der Unmut der Bewohner gegen das Bauprojekt eines türkischen Unternehmers. Der will im Gewerbegebiet eine große Produktionshalle zur Fleischzerlegung errichten. Die Halle ist sehr groß, Tag und Nacht in Betrieb, ständig wird Fleisch an- und ausgeliefert. Wie sieht es da mit Lärm und Verkehr aus, wollen die Bewohner wissen. Ihre Fragen sind berechtigt. Das Bauamt prüft alle Einwände. Verhindern werden die Anwohner den Neubau sicher nicht.

Ein türkischer Unternehmer in Heinersdorf? Da melden sich prompt die Rechten zurück. Es sind die Islam-Gegner von der Partei „Die Freiheit“. Sie warnen vor einer Islamisierung unserer Gesellschaft und machen mit Falschmeldungen Stimmung gegen den türkischen Geschäftsmann. Er wolle eine türkische Schlachterei mitten in einem Wohngebiet errichten, schreiben sie und zeigen ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie ein Tier geschächtet wird. Erst die Moschee, jetzt die türkische Schlachterei, Heinersdorf solle weiter islamisiert werden.

In der Fleischgroßhalle wird kein Tier geschlachtet, und das Grundstück liegt im Gewerbegebiet. Die Bewohner müssen achtsam sein, sonst werden ihre Bedenken für islamfeindliche Hetze missbraucht.