Berlin - In Berlin wächst die Zahl der Privatschüler so rasant wie in kaum einem anderen Bundesland. Deshalb will Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Gründung weiterer freier Schulen erschweren. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Denn wenn Schulpolitiker den Elternwillen beeinflussen wollen, führt das schnell zu großer Aufregung.

Die Bildungsverwaltung befindet sich in dieser Frage in einem Dilemma: Einerseits ist es ja durchaus richtig, dass immer mehr freie Schulen das staatliche Angebot schwächen. Gerade besonders engagierte, leistungsorientierte Eltern schicken ihre Kinder auf Privatschulen. Die Zahl der Kinder aus schwierigen, überforderten Elternhäusern ist dort in der Regel längst nicht so groß wie an einer staatlichen Schule. Denn diese besuchen ja eine staatliche Schule. Auch dafür zahlen Eltern Schulgeld.

Auf der anderen Seite offenbart sich in der Privatschulwahl das nicht selten begründete Misstrauen vieler Eltern gegenüber dem staatlichen Schulsystem, das an vielen Stellen ja tatsächlich sehr schwerfällig erscheint. An freien Schulen ist das Kollegium in der Regel jünger, es gibt oft ein klar formuliertes Schulprofil, und es gibt interessante pädagogische Ansätze. Häufig kommen die Kinder erst dorthin, nachdem sie an einer staatlichen Schule schlechte Erfahrungen gemacht haben. Aber es gibt natürlich auch Privatschulen mit argen Problemen.

In dieser Situation einfach die Gründung weiterer Privatschulen zu erschweren, greift zu kurz. Die Gefahr ist groß, dass ein ideologisch aufgeladener Streit die Weiterentwicklung schulischer Angebote schwächt. Wenn die Bildungsverwaltung weniger Privatschulen möchte, sollte sie alles dafür tun, die Qualität an den staatlichen Schulen zu erhöhen. Berlin Seite 16