Berlin - Das Abgeordnetenhaus hatte sich längst in die Sommerpause verabschiedet. Niemand rechnete nach, dass das Gesetz bei einem normalen parlamentarischen Ablauf erst im Herbst beschlossen werden kann und die Landesbediensteten noch Monate auf ihr Geld würden warten müssen. In der wortkargen Presseerklärung des Senats wurde dieser Fakt natürlich verschwiegen.

Nun sind die Ferien vorbei. Viele Betroffene schauen die Post durch und überprüfen ihre Gehaltsabrechnungen. Obwohl ihnen die rot-schwarze Koalition schon vor Monaten versprochen hatte, dass sie zum 1. August zwei Prozent mehr Geld bekommen sollten, hat sich an der Höhe der letzten Überweisungen nichts geändert. Ein echtes Ärgernis, vor allem für diejenigen, die geringe Einkommen haben und auf jeden Euro angewiesen sind. Dass auf jeden Fall rückwirkend nachgezahlt wird, dürfte die Beamten kaum trösten.

So oder so: Ein angemessener Umgang mit den Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes ist das nicht. Schuldige gibt es viele. Der Innensenator Frank Henkel von der CDU hat zu langsam gearbeitet, sein Chef, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit von der SPD, hat ein schnelleres Handeln vermutlich nicht eingefordert, und auch die Koalitionsfraktionen befanden sich augenscheinlich im Tiefschlaf. Diesen kollektiven Fehler durch ein Hauruck-Verfahren im Abgeordnetenhaus wieder gutzumachen, wie es laut CDU geplant wird, ist aber auch keine Lösung. Die (magere) Besoldungserhöhung sollte jetzt zumindest gründlich debattiert werden, das ist Rot-Schwarz den Beamten schuldig.