Berlin - Sich verstecken, lügen oder sich schämen wollte am Sonnabend niemand. Etwa 700 000 Menschen kamen zum Christopher Street Day. Mit einem lauten Umzug demonstrierten Männer und Frauen, Männer als Frauen und Frauen als Männer dafür, dass Lesben, Schwule und all jene, die sich geschlechtermäßig nicht so festlegen wollen, endlich gleichberechtigt leben können.

Die Menschenmenge, die da vom Kudamm zum Brandenburger Tor tanzte, war offenherzig und zeigefreudig. Man sah nackte Körper, der Spaß am Sex war erkennbar. Was man sonst nur aus speziellen Clubs und von privaten Partys kennt, das hat die schwul-lesbische Gemeinschaft der Unnormierten beim CSD auf die Straße verlegt.

Von allem was dabei

Es war eine Parade der Liebe, der Rollenspiele, der sexuellen Freude an Lack, Leder, Herrschaft und Unterwerfung. An diesem Tag schien alles normal: Männer als Geishas und muskulöse Kerle in Lederweste und Tanga, Waschbrettbäuche und Schwabbelwampen, Frauen in Schuluniformen und strenge Polizistinnen, Männer mit Gummiknebeln im Mund und Hundeleine um den Hals, Strafgefangene in Ketten, Soldatinnen in Felduniformröckchen und schwer bewaffnete Krieger. Männer hatten ihre Hintern freigelegt, Frauen entblößten ihre Brüste, manche hatten bemalte Oberkörper. „Porno-Sau“ stand auf dem Rücken einer Frau. Und Männer zeigten wieder wildes Brusthaar.

Man sah Organisationen schwuler Lehrer, schwuler Wirte, schwuler Bauarbeiter, lesbische Krankenschwestern von Vivantes und Flugbegleiter von Easyjet. Sie bekannten sich selbstbewusst, winkten den Zuschauern am Straßenrand und lächelten, man sah, ihnen geht es gut. Am Montag sitzen viele von ihnen wieder im Büro, korrekt gekleidet und unauffällig. Der CSD ist vorbei. Doch wie schön, dass Berlin auch so schön schamlos sein kann. Eine gute Woche!